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Sublime , Texas . Weil Schweißer Dale entlassen wird , sieht er nur eine Chance um an das Geld für die Medikamente seiner Frau zu kommen , die seit einem Unfall behindert und geistesabwesend im Rollstuhl sitzt . Er muss - wider besseres Wissen - zur Jagdsaison einen Teil seines Landes für Tagesjagden öffnen , um somit ein paar Dollar zu verdienen . Da dort seit über 30 Jahren nicht mehr gejagt wurde , zieht dies viele Jäger aus der Umgebung geradezu magisch an . Doch Dale und seine Vorfahren hatten einen guten Grund das Gelände nicht zu öffnen . Auf dem Gebiet von Dales´ Familie schleicht nämlich der sogenannte " Wild Man of the Navidad " herum . Ein großes , struppiges Monster mit seltsamen Klauenhänden , das Dale bis dahin jede Nacht gefüttert hatte um es zu beruhigen . Dale hofft , dass die Jagdsaison schon ohne Zwischenfälle vorübergehen wird , doch gleich der erste Jäger nimmt ausgerechnet den " texanischen Bigfoot " aufs Korn ... 

Wie oft habe ich schon gelesen und auch selber gedacht , dass sich der Flair billiger Streifen vergangener Epochen nicht mehr neu herstellen lässt . Ob Science Fiction B-Filme der 1950er Jahre oder Horror der 1970er - solch ein Zeitgeist lässt sich nicht rekonstruieren . " The wild man of the Navidad " , angeblich auf einer wahren Geschichte basierend und mitproduziert von " Texas Chainsaw Massacre " Miterschaffer Kim Henkel , schafft es jedoch tatsächlich gleich zu Beginn annähernd das Gefühl eines 1970er Jahre Films aufzubauen .
Ein etwas grobkörniger Look und eine zerfallende Welt , wie es sie heute nicht mehr zu geben scheint . Rostige Autos , heruntergekommene Häuser , alte Männer mit zerfurchten Gesichtern , unattraktive Frauen , fehlende Zähne , ungepflegte Bärte und wild zusammengewürfelte Kleidung . Selbst der Wald ( oder was diese Wildnis mit kaum mannshohem Gestrüpp ist ) ist irgendwie hässlich und abgenutzt . Dabei wirkt die ganze Welt echt abgewrackt und nicht hollywoodmäßig gewollt . 
Der Sheriff arbeitet mit dem Schwarzbrenner zusammen und man geht in die Kirche , doch die eigentliche Religion ist das Jagen . Das kann man kaum erwarten und führt die zehnjährigen Söhne in die " Kunst des Tötens " ein , während der Sprössling Pornomagazine liest und der Vater unangebrachte Witze macht . Kinder , die sich weigern , angeschossenem Wild den Gnadenschuss zu geben , werden in der Kneipe ausgelacht . Hier will man kein Tier sein und auch nicht zum Abendessen eingeladen werden - man weiß ja nie , wer da noch im Eintopf schwimmt . Wenn man hier anhält , darf man sich nicht wundern  Leatherface und seiner Sippe im Supermarkt zu begegnen . 
Soweit das Positive zu " TWMotN " . 
Leider rekonstruiert " TWMotN " aber nicht nur die positiven Seiten ( also den Look ) seiner Vorbilder , sondern auch deren negativen Seiten . Denn , nach einem recht vielversprechenden Einstieg , schafft der Film es einfach nicht die Atmosphäre zu nutzen und Spannung aufzubauen . DASS etwas in der Umgebung von Dales´ herumschleicht ist sofort klar , doch eine wirkliche Bedrohung wird dadurch nicht erzeugt . Und was man später vom " Wild Man " hört und sieht , wirkt nicht gerade wie das riesige , bedrohliche Monster , dass sich der Zuschauer da vielleicht gewünscht hätte . 
Zudem sind alle Figuren - bis auf Dale - nicht sonderlich sympathisch gezeichnet , was nicht gerade zum Mitfiebern animiert . Alle Einheimischen sind trunksüchtige Möchtegernkiller und werden zudem sämtlich von ganz offensichtlichen Amateuren gemimt , so dass man sich wie in einer Folge der SAT1 ( oder RTL ? ) Sendung " Auf Streife " fühlt . Dales´ mexikanischer Angestellter ( der neben Dale und dessen Bekannten Karl einigermaßen schauspielern kann ) , der anfangs noch ganz in Ordnung wirkt , ist sich später sogar nicht einmal dafür zu schade Dales´ behinderte Frau zu schlagen und sie sexuell zu belästigen . 
Dass die Jagd auf das Monster und dessen Enthüllung dann auch noch zu einer Enttäuschung führt , die nicht mal sonderlich realistisch erscheint ,  macht da den Kohl auch nicht mehr fett .

*** Der Film wurde im englischen Original gesehen !!!

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