Tja, früher war alles besser! Zumindest was den deutschen Film angeht. Während großartige Meisterwerke aus deutschen Landen, heutzutage doch eher Rar sind, wenn auch vorhanden, so konnte man sich in früheren Zeiten doch schnell mal ein Meisterwerk im Kino anschauen. Große Geschichten, grandiose Darsteller, meisterhafte Umsetzungen, dass waren damals die Markenzeichen des deutschen Films. Hier haben wir nun wieder einen dieser Streifen. Dieses mal geht es um Deutschlands sündigste Meile überhaupt: Der Reeperbahn. Auf ihr spielt der Hans Albers-Klassiker "Große Freiheit Nr. 7". Ein Film den man gesehen haben sollte!
"Große Freiheit Nr. 7" ist eine wunderbare Mischung aus Musikfilm, Komödie und dramatischer Liebesgeschichte. Es geht um den alten Seebären Hannes, der sich eines Tages in die Ex-Freundin seines verstorbenen Bruders, Gisa, verliebt. Er nimmt sie mit nach Hamburg und lebt dort mit ihr unter einem Dach zusammen. Beruflich singt er Nacht für Nacht in einer Bar, auf der "großen Freiheit"! Doch als sich Gisa eines Tages in einen anderen verliebt, sieht Hannes sein ganzes Leben zusammenbrechen und ein dramatisches Finale nimmt seinen Lauf. Ja, dass sind noch die ganz großen, höchst dramatischen, Liebesgeschichten, so wie man sie selbst als Cineast zu würdigen weiß. Hier gibt es keinen Kitsch alla Rosamunde Pilcher und keine schwülstigen Dialoge. Nein, hier wird noch auf die ganz große Liebe, eines rauen Gesellen zu einer zarten "Dirn", gesetzt und diese ist ungemein packend ausgefallen.
Dabei beginnt der Film aber erst einmal wie ein reiner Unterhaltungsfilm, mit viel Musik und wunderbarer Komik, die sich vor allem in den herrlichen norddeutschen Dialogen wiederfindet. Da der Film, bekanntermaßen, in Hamburg spielt, sind die Dialoge natürlich allesamt im jeweiligen Dialekt gehalten worden. Wer schon einmal da war oder Filme wie "Werner" kennt, der weiß, wie wunderbar sich das anhört. Leicht verständlich ist das Ganze dadurch natürlich nicht und alle die nicht im Norden aufgewachsen sind, dürfen manchmal ihre Schwierigkeiten haben, wenn Albers, im tiefsten Norddeutsch, anfängt zu sprechen. Aber wirklich stören tut einem das trotzdem nicht.
Nach ca. 60 Minuten allerdings, wenn Gisa beginnt sich in Willem zu verlieben, kippt die Handlung merklich um. Mit dem Spaß ist es nun vorbei und der Zuschauer wird gepackt von der höchst dramatischen Liebesbeziehung zwischen Gisa und Willem und ihren Gefühlen zu Hannes. Und als sie sich entgültig für Willem entscheidet, könnte man glatt losheulen, so sehr kann man den Schmerz von Hannes verstehen. Wie schon erwähnt, bleibt dieser Handlungspart durch die Bank weg kitschfrei, wodurch es einem wirklich nicht schwer fällt, selbst als Romanzen-Hasser, bei diesem Part dabei zu bleiben.
Höchstens das etwas zu leicht ausgefallene Ende, stößt ein wenig negativ auf. Leider haben die Drehbuchschreiber es versäumt, die Dramatik, der vorangegangenen Minuten, in einem spannenden Showdown münden zu lassen. Hannes hat sie verloren und findet sich nun ziemlich locker damit ab, was einen vielleicht, nach der gerade gezeigten Dramatik, nicht ganz so überzeugen möchte. Aber nun gut.
Was die Inszenierung angeht, wurde sich dafür wieder einmal vollkommen ins Zeug gelegt und man hat die wunderbar passenden Kulissen, der Reeperbahn, aufs trefflichste ausgestattet. Dazu die wunderbare Arbeit der Maskenbildner und eine absolut passende Kostümauswahl. Hier wurde das raue Leben der Seemänner und das luftige Leben auf der Sündenmeile perfekt und absolut glaubwürdig kombiniert, was zudem zu einer wunderbaren Atmosphäre führt.
Des weiteren natürlich noch die stimmige Musikauswahl, die wieder einige der unvergesslichsten Klassiker zu Tage gefördert hat. Lieder wie "Auf der Reeperbahn Nachts um halb 1", "La Paloma" oder "Wenn i komm, wenn i komm..." dürfte eigentlich wirklich jeder schon irgendwann einmal gehört haben und dürften auch in Zukunft noch ihre Runden machen. Wirklich unvergessliche Klassiker, die die Musikuntermahlung einfach unvergesslich machen.
Und natürlich dürfen auch die Darsteller nicht vergessen werden. Hans Albers spielt seine Rolle, des rauen Seemanns mit dem weichen Herzen, wirklich absolut grandios und wurde dadurch, zurecht, zu einem der angesagtesten deutschen Darsteller aller Zeiten. Dazu Ilse Werner, als innerlich zerrissene Gisa, der man es förmlich ansieht, wie sie sich zwischen den beiden Männern ihres Herzens hin und her gerissen fühlt. Und natürlich noch weitere bekannte Gesichter wie Gustav Knuth, Ilse Fürstenberg oder Günther Lüders. Allesamt machen sie ihre Sache wirklich fabelhaft und einfach so, wie man es sich nur wünschen kann.
Fazit: Wunderbare Mischung aus stimmungsvollem Musikfilm und hochdramatischer Romanze, die mit ihrer packenden Handlung, der wunderbaren Inszenierung, Liedern zum immer wieder hören und besten Darstellern, zu einem absoluten Klassiker des deutschen Films wurde. Dazu eine wunderbare und liebevolle Hommage an Deutschlands sündigste Straße und ein Prosit an die Schönheiten (aber auch Schwierigkeiten) des Seefahrerlebens. Bis auf das etwas zu anspruchslose Ende, ein wirklich wunderbares Filmerlebnis, welches sich Fans deutscher Filmklassiker, nicht entgehen lassen dürfen!
Wertung: 8/10 Punkte