Heilfroh bemerkte ich vor Kurzem, dass „Zabriskie Point" endlich auf DVD erschienen war, und so kam ich natürlich nicht umhin, mir diesen avantgardistischen, hochkünstlerischen Klassiker endlich ins Haus zu holen - und das nicht nur, um nicht ständig auf eine weitere Ausstrahlung in irgendwelchen Dritten warten zu müssen. Denn dieser Film ist ein Kunstwerk par excellence und in Sachen Ausdruckskraft nur schwerlich mit anderen Werken vergleichbar.
Los geht´s im Film mit einer heißen und lautstarken Debatte unter Studenten und über Revolution, die noch vom Vorspann überblendet ist. Student Mark (Mark Frechette) hat allerdings wenig Bock auf Gelaber und macht sich lieber auf und davon, um mehr von der Welt außer der schäbigen endlosen Reklameschilderwelt von Los Angeles zu sehen. Als er erfährt, (fälschlicherweise) mit einem Polizistenmord in Verbindung gebracht zu werden, klaut er kurzerhand eine kleine Propellermaschine und fliegt in die Wüste Nevadas. Dort begegnet er Daria, die mit dem Wagen nach Phoenix unterwegs ist, um einen Termin bei ihrem Chef wahrzunehmen, auf den sie eigentlich wenig Lust hat. Die beiden fahren zusammen mit dem Auto weiter bis zum Zabriskie Point im Death Valley...
„Zabriskie Point" ist eine Wucht, ganz klar. Allein die zahllosen Bilder von Landschaften und Städten, aus der Luft wie vom Boden aus rocken alles weg. Die eingefangene Ruhe der bezaubernden Ödnis Nevadas steht im starken Kontrast zum Tumult der ersten zwanzig Minuten, in denen die Demonstrationen der Studenten vom Polizeiapparat förmlich niedergeknüppelt werden. Der Film suggeriert, das weder in Los Angeles noch sonst wo in den USA Platz für die vorgegaukelten Ideale des Landes ist. In den Städten regiert der Kommerz, freie Meinungsäußerung wird schnell erstickt. Fluten von Reklameschildern überreizen Auge und Hirn, und so kommt es, dass ein einzelner Freidenker das Gesetz bricht, um alldem zu entkommen - vergebens, wie sich nach etwa einer Filmstunde herausstellt. Ohne sich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, stellt das, was Mark Frechette im Film widerfährt womöglich auf makabere Art und Weise die kurz darauf folgenden, realen Ereignisse um den Schauspieler dar - beklagenswert!
Die Szenen am Zabriskie Point sind phänomenal metaphorisch und versprühen starke Gefühle. Die beiden Hauptdarsteller sind definitiv was für´s Auge und spätestens wenn nahezu das ganze Death Valley voller liebender Menschen ist, wird die Hauptbotschaft des Filmes klar! Eine Streitfrage hingegen bleibt der Schluss, in der Daria den bonzenhaften Luxuswohnsitz ihres Chefs gedanklich in die Luft sprengt - hier wird die Kritik an Materialismus und Verlogenheit doch ein wenig überschwänglich abgestrahlt, aber dennoch: die atmosphärischen Einfänge von blauem Himmel, einem Sonnenuntergang und prächtigen Landmalereien entschädigen locker für alle mögliche Kritik! Auch in Sachen Musik bietet „Zabriskie Point" einiges: so sind nicht nur Musikgrößen wie die Rolling Stones, die Grateful Deads oder die Youngbloods vertreten, so stammt der Hauptteil des Scores von keiner geringeren Band als Pink Floyd, und das ist sehr deutlich herauszuhören!
Bleibt zu erwähnen, dass „Zabriskie Point" natürlich weit, weitab vom Mainstream liegt und gewiss nicht für Ottonormalgucker taugt; selbst so manch eingefleischtem Cineasten, auch solchen mit Hang zu älteren Werken dürfte der Film womöglich eine Spur zu gekünstelt vorkommen - mir aber nicht, beide Daumen rauf für dieses politisch motivierte, emotional überwältigende und atmosphärisch glänzende Zeitportrait!