Review

Heiße Luft oder Sprengung aller amerikanischen (Alp-)Träume?

Nach einem Wochenende wie dem letzten, mit den gewaltsamen Protesten der linksradikalen Szene gegen den G20-Gipfel in Hamburg, gewinnt ein revolutionärer Film wie "Zabriskie Point" natürlich nochmal an Gewicht und aktuellen Kontext. Als ob Antonionis Kommentar zu Amerika, der linken Hippie-Bewegung und der Konsumwelt nicht schon fordernd und auslaugend genug wäre... Der Arthouse-Kultfilm handelt von zwei Kindern des Protests, zwei jungen Erwachsenen die sichtbar das streng geregelte Stadtleben satt sind. Die junge Frau und der aufmüpfige Mann treffen sich zufällig in der Wüste, die eine mit dem Auto unterwegs, der andere mit einem geklauten Flugzeug auf der Flucht vor der Polizei wegen einem möglichen Polizistenmord. Dort im Wüstensand finden sie kurz Frieden, philosophieren über Gott und die Welt und steuern auf ein explosives Finale hin...

"Zabriskie Point" gehört zwar aus heutiger Sicht zu den wichtigsten Werken der Gegenbewegung, der 70er und des Kinos überhaupt, doch er spaltet noch immer die Gemüter. Selbst unter Cineasten. Antonionis Bild eines zutiefst verletzten und zwiegespaltenen Amerikas kurz vor seiner Explosion von innen heraus, ist keine leichte Kost. Eine surreale Wüsten-Orgie, ein absolut orgastisches Finale, zwei Laiendarsteller als Liebespaar (die ihre Sache imo sehr anständig machen), eine Story die auf der Stelle tritt, mehr Gefühl als Film, mehr emotionale Zeitbestandsaufnahme als klare Aussage. Doch als Filmemacher und Ausnahmekünstler darf man ruhig ambivalent, fast etwas bipolar und unentschiedenen sein. Denn weiß und schwarz sind eben nur die Enden eines langen Spektrums. Optisch liefert der italienische Ausnahmekönner mal wieder Kunst pur, thematisch kriegt man viel zu kauen und verdauen, der Soundtrack ist eine psychedelische Rockwucht und wäre er vielleicht in seiner zweiten Hälfte erzählerisch etwas mehr auf der Strecke geblieben, dann könnte ich ihn mir auch öfters angucken. So heißt es Durststrecke überwinden, für einen visuellen Showdown, den man sich nicht besser und eindringlicher erträumen könnte. Nie flogen Konsumgüter so elegant und künstlerisch wertvoll und wütend in die Luft. 

Fazit: einer der polarisierendsten und wichtigsten Filme der Hippie-Bewegung, der bewusst mehrere Blickwinkel einnimmt und nicht nur den Kapitalismus angreift sondern auch Schatten auf die linke Anti-Alles-Bewegung wirft. Kino wie im Rausch. Anstrengend und konträr, aber nie dumm oder simpel. So einfach macht es uns der italienische Regiemeister nicht!

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