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"Fehler, die einer von uns begangen hat, schaffen wir gemeinsam aus der Welt."

Die virtuelle Welt OZ ermöglicht den Menschen weltweit miteinander zu kommunizieren, einzukaufen und ihre Freizeit zu verbringen. Mit der Zeit hat sich dieses System so weit ausgebreitet, dass reale Abläufe, wie Verkehrsbetriebe oder ärtzliche Notrufe, davon abhängig sind.
Oberstufenschüler Kenji Koiso ist eher zurückhaltend und kennt mangels elterlicher Fürsorge die Bedeutung des Zusammenhalts einer Familie nur rundimentär. Unerwartet wird er von Natsuki Shinohara, dem beliebtesten Mädchen der Schule, zum Geburtstag ihrer neunzigjährigen Großmutter eingeladen. Da Natsuki ihrer Großmutter versprochen hat, sich einen würdigen Partner zu suchen, präsentiert sie Kenji überraschend als angeblichen festen Freund. Kenji lernt die große Familie Shinohara kennen, unter denen der Computerexperte Wabisuke Jinnouchi durch seine forsche, rücksichtslose Art als einziger aus der Reihe tanzt und entdeckt in Kazuma Ikezawa einen Spieler eines bedeutenden Kämpfers aus OZ.
Nach diversen weiteren beanspruchenden Ereignissen in der Familie von Natsuki fällt Kenji das schlafen schwer. In der Nacht erhält er eine Nachricht mit einem mathematischen Code, den er als Mathe-Genie bereitwillig löst, unwissend dadurch den Zugangscode zu OZ zu knacken. Am nächsten Tag melden die Nachrichten Kenji als gesuchten Kriminellen.

"Summer Wars" wurde mehrfach ausgezeichnet und enthält einen beachtlichen Anteil namhafter Anime-Künstler, allen voran Mamoru Hosoda, der bereits mit "Das Mädchen das durch die Zeit sprang" für Aufsehen sorgte. Im Versuch, allen zu gefallen, erzeugt der von Studio Madhouse ("Paprika", "Tokyo Godfathers") produzierte Animationsfilm aber auch jede Menge heiße Luft.

Der unkonventionellen Handlung steht ein chaotisch gehetzter Erzählstil und eine überzogene Präsentation gegenüber. Durch eine Vielzahl unerwarteter Ereignisse die die jeweilige, problematische Situation ausgleicht, verlässt "Summer Wars" schnell den Rahmen der Glaubwürdigkeit. Dass sich durch die virtuelle Welt zwangsweise utopische Science-Fiction Elemente finden ist nachvollziehbar, weniger jedoch, dass Personen die nötig für gewisse Angelegenheiten sind, direkt greifbar sind.

Die mannigfaltige Figurenkonstellation ist im Wesentlichen nichts weiter als eine Anhäufung gängiger Anime-Stereotype, die periodisch und strategisch ausgespielt werden. Visuell unterscheiden sie sich aber genug, um voneinander unterschieden werden zu können.
Die Handlung und deren moralische Züge sind dagegen einfallsreich. In etwa zu gleichen Teilen besteht "Summer Wars" aus oberflächlicher Teenie-Komödie, emotionalem Familiendrama und extravagantem Science-Fiction Epos. Diese Mischung bringt allerdings kontraproduktive Nebenerscheinungen mit sich.

Der traditionelle Inhalt um eine japanischen Großfamilie und manch einer ernsthaften Stimmung wird immer wieder schnell durch eine gewisse Leichtigkeit und Witz gelockert. So wirklich will da die Moral um familiären Zusammenhalt nicht aufgehen.
Durch seine vielen Elemente aus verschiedenen Genres, einer unüberschaubaren Anzahl an Charakteren und dem sehr eigenwilligen Zeichentrickstil wirkt "Summer Wars" überladen. Unterhalten und steigern kann sich der Film allerdings trotz augenscheinlicher Mankos, denn die Handlung ist geradlinig und flott erzählt.

So wie schon die Handlung ist auch der zeichnerische Stil eingeteilt. Die virtuelle Welt von OZ ist mit seinen absonderlichen Kreaturen, Popkultur-Referenzen und bestechend bunten Bildern gewöhnungsbedürftig. Im Kontext steht die schlicht gehaltene reale Welt, die eher malerisch und idyllisch dargestellt wird. Proportionen und Animation der Figuren sind bis auf humorbedingte Ausnahmen real gehalten.

Es kann schwer sein einen mit Preise überhäuften Film zu bewerten, wenn sich die Erwartung bereits auf einem hohen Level befindet. Kann die Wahrnehmung gestört sein, wenn er schwächer aufgenommen wird als erwartet? Fakt ist, dass "Summer Wars" mit seiner ambitionierten Präsentation und dem einfallsreichen Genremix außergewöhnlich ist, allerdings ebenso überladen wirkt. Die Figuren sind charmant aber gleichfalls oberflächlich. Der Stil mal gewöhnungsbedürftig, mal schlicht. Was den Animationsfilm heraus hebt sind Einzelszenen, die alleinstehend funktionieren und auch im Nachhinein hängen bleiben. Für ein Meisterwerk scheinen die vielen Elemente jedoch zu brüchig.

7 / 10

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