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Die Karrieren von Jerry Lewis und Dean Martin hätten wahrscheinlich nicht diese Höhenlage erreicht, wären Beide nicht frühzeitig aufeinander getroffen. Ihr gemeinsamer Stern ging 1946 auf, als sie als Duo in Atlantic City auftraten und so bekannt wurden, dass sie ab 1949 sechzehn Filme zusammen drehten.

Der Film "The Stooge" nimmt dabei in vielfacher Hinsicht eine besondere Position ein. Während die Beiden in den ersten gemeinsamen Filmen noch als Nebendarsteller auftraten, waren sie 1953 zu der Hochform aufgelaufen, die ihr Zusammenspiel über das blosse Schauspiel hinaushob. In "The Stooge" zeigt sich dieses blinde Verständnis von seiner besten Seite, weil ihre Auftritte genau dort stattfinden, wo sie auch in der Realität begannen - auf der Bühne.

In diesem Zusammenhang ist der Originalfilmtitel sehr aussagekräftig, während der deutsche Titel nur wenig originell ist und wie üblich auf die idiotische Komponente anspielt ( weitere deutsche Filmtitel heissen "Der Tollpatsch", "Der Gangsterschreck", "Der Agentenschreck", "Der Schrecken der 9.Division" usw.). "The Stooge" spielt dagegen direkt auf das Comedy-Duo an und bedeutet in der Fachterminologie Handlanger oder Stichwortgeber, aber ein "Stooge" steht auch unter der Kontrolle eines Anderen und natürlich gilt er als "Idiot".

"The Stooge" ist nichts weniger als die überspitzt erzählte Geschichte der Entstehung des Comedy-Duos Dean Martin und Jerry Lewis, auch wenn man dabei nicht streng biografisch vorging. Von Beginn an lag der Erfolg der Beiden in dem totalen Gegensatz zwischen der italienischen Samtstimme und dem "herumkaspernden" Kindskopf - also zwei Typen, die in der Realität kaum aufeinander träfen.

In "The Stooge" kommt es nur zu dieser Begegnung, weil Bill Miller (Dean Martin) dringend einen Partner braucht. Der Egozentriker Bill hatte geglaubt, es allein schaffen zu können und sich ausgerechnet am Tag seiner Hochzeit mit der hübschen Mary (Polly Bergen) von seinem früheren Partner getrennt. Während dieser erfolgreich eine Solo-Karriere beginnt, will Bill bald Niemand mehr auf der Bühne sehen. Da kommt Ted Rogers (Jerry Lewis) gerade recht, denn dessen Chef ist froh, wenn er den Chaoten endlich los wird. Für Bill, den Dean Martin gekonnt unsympathisch anlegt, kommt Ted gerade recht, weil dieser ihm einerseits zum Erfolg verhilft, sich andererseits aber mit der kleinen, schlecht bezahlten Nebenrolle zufrieden gibt und dazu noch zu Bill's größtem Bewunderer wird.

Die Story selbst ist profan und in ihrer Entwicklung voraussehbar. Beonders die weiblichen Rollen wirken eher störend, da sie bewusst prototypisch gestaltet sind. Mary, Bill's Ehefrau, ist nicht nur schön, gibt ihre Gesangskarriere nach der Hochzeit auf Wunsch ihres Mannes natürlich auf, sondern ist auch herzensgut und hat bald Mitleid mit dem armen Ted ,der selbst gar nicht unter seiner Funktion leidet (weswegen der Titel "Prügelknabe" auch so verfehlt ist, da sich Ted nie als solcher wahrnimmt). Genovieve (Marion Marshall) gibt das weibliche Gegenstück zu Jerry Lewis, verliebt sich schon bei dessen erster Aufführung Hals über Kopf in ihn, lispelt, hat wilde Zöpfe und wirkt ähnlich verrückt.

An den gemeinsamen Szenen zwischen Genevieve und Ted ist gut zu erkennen, warum Dean Martin und Jerry Lewis gemeinsam so gut funktionierten. Das Zusammenspiel der beiden Kindsköpfen ist schnell nur lächerlich, während Lewis' Rolle zusammen mit Dean Martin auch dem "Erwachsenen", der immer sehr ernsthaft und gediegen herüberkommt, sein Spiegelbild aufzeigt und damit die Lächerlichkeit, die auch darin verborgen ist, erkennbar werden lässt. Zu verdanken ist das auch dem Spiel Dean Martins, der aus heutiger Sicht immer etwas im zweiten Glied steht, da er auch angesichts der verrücktesten Kapriolen seines Partners immer seinen Stiefel durchzieht und seine schön schmalzigen Songs gegen die quäkensten Einlagen weiter singt. Erst durch diese beiden gegensätzlichen Übertreibungen entsteht die wahre Komik.

"The Stooge" verfügt über eine Vielzahl solcher Szenen, darunter auch einige Einzelszenen, die Jerry Lewis gleich zu Beginn in einer herrlichen - an Stan Laurel erinnernden - Szene in einer Frühstücksbar zeigt, und natürlich bekommt Dean Martin auch die Gelegenheit, ungestört ein paar Songs loszuwerden. Die Story, die selbstverständlich zu einer echten Partnerschaft des Comedy-Duos führt, ist nebensächlich, aber die Vielzahl an gemeinsamen Szenen, die grösstenteils auf der Bühne spielen, können wunderbar an eine Zeit erinnern, in der man noch ohne Brimborium, aber mit viel improvisatorischem Können ein Publikum begeistern konnte (7,5/10).

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