Review

Episches „Bibelactionkino“

Die „Hollywood Tours“-Attraktion im Phantasialand - ich werde sie nie vergessen! Ein Highlight für Filmfans. Ruhe in Frieden, einzigartige Kindheitserinnerung! Wie komme ich in dieser Kritik darauf? Weil nicht nur sowas wie „Jaws“ oder „Die Vögel“ dort seinen Platz hatte, sondern ein „Raum“ in dieser spektakulären Bootsfahrt auch „Samson & Delilah“ gewidmet war. Und ich allein schon wegen diesem jährlichen Besuch im Phantasialand als Kölner sehr früh in meinem Leben DeMilles „Bibelepos“ auf meinen filmischen Stundenplan stellte. Er wurde nicht ganz so zur jährlichen Institution wie der Besuch im Freizeitpark zu Brühl, dennoch hinterließ er mächtig Eindruck und brachte schon als Kind Spaß, Spannung und Staunen. Im gleichen Sinne wie etwa die Ray Harryhausen-Klassiker. Nun konnte ich ihn passend an Ostern in diesem Jahr seit laaanger Zeit erneut sehen, nun in bestem HD und ganzer Pracht - was einem solchen Megaprojekt aus Hollywoods goldener Ära natürlich mächtig zu Gute kommt. Was für ein visueller und kostümtechnischer Overkill! Erzählt wird in dem erstaunlich vergessenen Fantasyabenteuer die Geschichte des übermenschlich starken Samson, dem scheinbar kaum eine leibliche Gefahr etwas antun kann, der jedoch anfangs die Liebe der gefährlich-schönen Delilah verschmäht, was sein Untergang sein könnte…

„Samson & Delilah“ ist sicher weit entfernt von Speerspitzen dieses Subgenres wie etwa „Ben Hur“ oder „Die zehn Gebote“, dennoch ist er ein ziemlich spektakulärer Sandalenschinken. Die Frauen sind legendär hübsch, die Ausstattung lässt einen beinahe erblinden und sabbern, Victor Mature passt in diese Rolle und hat durchaus Stärke und Charisma. Es gibt Faustkämpfe mit Löwen und „rote Hochzeiten“, es gibt gewaltige Stürme und mondbeleuchtete Oasen. Ein Technicolor-Fiebertraum! Trompeten, Fanfaren, Streicher. Ein audiovisuelles Opus das nach hundertmillionen Dollar ausschaut. In jedem Moment. Intrigen, Verführung, Muskelkraft. Als Hollywood noch alle Register zog. Hier war nichts zu teuer, nichts zu aufwändig, nichts zu weit hergeholt. Und das merkt man, das spürt man, das sieht man. Solche Schmuckstücke, restauriert in vollster Pracht, von den schwarzen Locken bis zu den breiten Schultern - ein Träumchen! Allein das hilft über manch'n Kitsch, manch'n Quatsch, manch eine Länge. Aber „Samson & Delilah“ geht zum Glück gar nicht übertrieben lang mit seinen knapp 130 Minuten. Da gibt’s ja ganz andere Brecher in diesem Bereich. Eine der ultimativen Femme Fatales der Antike. Da bebt die Erde, da zerbrechen Herzen und die Säulen der Erde… nur eben nicht mehr im Phantasialand.

Fazit: goldig, gigantisch, glorreich - eine pure Cecile B. DeMille-Ausstattungsorgie und für mich eines der besseren „Bibelepen“. Und Hedy Lamarrs rachsüchtige Schönheit raubt einem noch immer den Atem. Erzählt auf der Metaebene auch von der (damals schon schwindenden) Kraft Hollywoods. 

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