Review

Eine Idee zweifach zu melken, kann funktionieren – und wenn man die Besucherzahlen von „Ice Age 3“ in Deutschland sieht, dann hat man den Beweis: mit Manni, Diego und Sid ist ein Staat zu machen.

Die Jungs von „Blue Sky“ haben sich also ein drittes Mal für die Eiszeit ins Zeug gelegt und diesmal das Thema rund um die unterschiedlichen Tierfreunde mit einer unterirdischen Dinosaurierenklave angereichert (bitte alle Naturforscher und Archäologen schreiend weghören).
Bestand der erste Film aus einem erzwungenen Zusammenraufen, bei dem aus selbstgewählter Isolation Gemeinschaft wurde, hing über dem zweiten Film der Einsatz für eine größere Gemeinschaft und die Gründung einer Familie, bzw. einer echten Partnerschaft.
Der dritte Film entwickelt den Familiengedanken jetzt entsprechend weiter: Manni wird Papa, Ellie ist hochschwanger, Sid wünscht sich eine eigene Familie und findet drei kleine T-Rexe und Diego akzeptiert sein Einzelgängerschicksal, um es zu revidieren. Mittendrin in der Dino-Welt noch die überhöhte Eremitenfigur, das einäugige Wiesel Buck als Ahab-Verwandter, der auf ein Duell mit einem Riesensaurier aus ist.
Daß sich nebenbei sogar Nußratte Scrat verliebt und mit Gefühlen und Beute kämpft, ist praktisch kaum erwähnenswert.

Insofern also gut weiterentwickelter Stoff, doch daß der dritte Film längst nicht so mitreißt, wie die vorherigen beiden, liegt darin, daß die Story allmählich Abnutzungserscheinungen zeigt. Zwar bietet die Unterwelt neue Figuren, neue Tiere, neue Gefahren (fleischfressende Pflanzen, fremdsprachliche Echsen), aber alles ordnet sich mehr dem 3D-Vergnügen unter – es soll toll aussehen, sehr bewegt sein und hochakrobatisch.
Aus rein technischer Sicht ist das gelungen, aber die Geschichte entwickelt sich besser als die Action an sich.
Gemächlich episodisch reiht sich einiges Bekanntes aneinander, ein Marsch über ein bruchreifes Steinfeld kennt man schon aus den anderen Filmen und die Rettungs Sids aus der Hölle der Lavafälle ist schon aus dem Originalfilm bekannt.
Dazu bekommt Neufigur Buck viel zu viel Spielraum, obwohl sein Witz eher von erwachsener Natur ist und von Kindern kaum verstanden werden wird – dagegen ist Diego zur Randfigur verkommen, Manni muß mit Ellie teilen und Sid hat seine üblichen Set Pieces, die aber nicht halb so bizarr witzig sind, wie in den Vorgängern.
Die Opossums Crash und Eddie waren schon in Teil 2 nicht witzig – und so unglaublich es sich anhört: Scrats Liebesabenteuer sind eigentlich das Letzte, was man hier sehen will, bis auf ein paar gelungene Gags ist das maximal Sitcomniveau, aber kein wunderbarer Slapstick mehr.

Aber doch: es gelingt noch so eben, gerade durch die gelungenen Szenen. Eine Schluchtüberquerung unter Lachgas mit Heliumstimmen hat so ihre Qualitäten, Diego rettet die Geburtsszenen mit Männerwitz und die kleinen Dinos sind hinreichend lustig, wenn sie Sid nachahmen.
Mit Herz gemacht, aber trotzdem schleicht sich in die Story ab sofort immer mehr Routine ein, man weiß, was man erwarten kann und bekommt dann genau das geliefert. Das ist schön, sieht gut aus und unterhält, besitzt aber keine große Nachhaltigkeit mehr.

Etwas seltsam übrigens die deutsche Synchro, bei der Arne Elsholtz den Manni diesmal spricht, als hätte er sich alle Weisheitszähne ziehen lassen oder sich für größeren Realismus selbst Stoßzähne angesteckt – ein unangenehmes Genuschel, das sein brummiges Genöle längst nicht so angenehm macht, wie gewohnt.

Alles in allem also ein fast perfekter Familienfilm, herzig, lustig, für fast jede Altersklasse, aber kaum noch mit dem trocknen Humor und Charme der Vorgänger. (6,5/10)

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