Review

Die Heilige, die Hure...
Elizabeth I. - Ikonisierung einer Ketzerin als Ode an die Emanzipation

- Aber Eure Hoheit, Sie können das nicht entscheiden. Sie sind nur eine Frau!
- Und genauso bin ich meines Vaters Tochter!
Elizabeth I. - Heilige und Hure des Satans zu gleich. Sie war wohl die umstrittenste Frau ihrer Zeit. Die Piratenkönigin machte England zur prosperierendsten Nation Europas, auf Kosten von Frankreich und natürlich Spanien, dessen Armada durch ihre Freibeuterflotte versenkt wurde. Von der katholischen Kirche wurde sie als Ausgeburt der Hölle verflucht, konsolidierten sich doch unter ihrer Regentschaft die Protestanten im Inselkönigreich, die ihre Protektorin abgöttisch verehrten. Das Image der Queen Elizabeth ist zerfurcht, birgt Licht und Schatten, ist erleuchtet von ihren großartigen Erfolgen und überschattet von der Skrupellosigkeit, die dafür notwendig war. 1998 machen sich die Briten nun daran, dieses Image ihrer legendären Königin zu glätten, die dunkle Seite der Elizabeth aus dem kollektiven Gedächtnis zu radieren. Wahrscheinlich wird ihnen das beim Kinopublikum gelingen. Der Film des in Indien geborenen Shekhar Kapur zeigt, wie die von einer Intrige in die nächste gestoßene Königin allmählich ihrer Opferrolle entwächst, und sich am Ende selbst symbolisch mit dem Königreich, ihrem Land und Volk, vermählt. Als Substitutin für die durch die Förderung des Protestantismus zurückgedrängte Gottesmutter, inszeniert sie sich nun selbst als Heilige Jungfrau, die ihr durch religiösen Zwist gespaltenes Volk unter ihrer Aura einen möchte.
Stets bietet der hervorragend durch Cate Blanchett umgesetzte Charakter der Königin genug Identifikationspotential, um das Publikum lebhaft an ihrem Glück, vor allem aber ihrem Leid, teilhaben zu lassen. Die für den Erhalt der Krone notwendigen Bluttaten erledigt ihr Berater Walsingham oft ohne explizites Wissen der Königin. So bleibt ihr weißes Gewand für den Zuschauer beinahe unbefleckt, wird seine Sympathie für ihren zu heroisierenden Charakter nicht geschmälert. Opulent in der Ausstattung und erdrückend in seiner Bildgewalt, jedoch jenseits des Kitsches der Historienepen Hollywoods aus den 40er bis 60er Jahren, bietet Elizabeth I. spannendes Ränkeschmieden, hoffnungslose Liebe und wilde Leidenschaft.

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