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Die mit den "Der Herr der Ringe"-Filmen berühmt gewordene Schauspielerin Cate Blanchett spielt in diesem aufwendig inszenierten Historienfilm die legendäre englische Königin Elizabeth, unter deren Herrschaft der Inselstaat eine nie zuvor gesehene Blüte erlebte. Die Hollywoodproduktion konzentriert sich dabei vornehmlich auf die teils blutigen Intrigen am Hof und den Kampf zwischen den christlichen Konfessionen, der ihre Thronbesteigung überschattete. Mit historischen Fakten wird dabei ziemlich frei umgegangen, aber was macht das schon, wenn es spannend gemacht ist - diese Einstellung kennt man ja aus Hollywood.

Und so werden hier Historiker sicherlich im Quadrat springen, wenn Verschwörungsstorys detailliert ausgearbeitet werden und Begegnungen zwischen Figuren stattfinden, die es nie gegeben hat. Das und die in manchen Szenen bis zum Kitsch ausufernde Mittelalter-Folklore, die das Elend und die Brutalität dieser Zeit weichspült und lieber in bedeutungsschwangeren Dialogen und wuchtiger Choralmusik schwelgt, sind sicherlich reine Geschmackssache. Und ein Zugeständnis an das vorderste Ziel der Filmindustrie: einen kommerziell erfolgreichen Film zu machen.

Nichtsdestotrotz kann "Elizabeth" auch gut gefallen. Zum Beispiel mit starken Schauspielleistungen: Blanchett verbindet in ihrer Darstellung der jungen Königin die Zartheit ihrer körperlichen Erscheinung mit dem emotionalen, aber auch harten und durchgreifenden Verhalten einer emanzipierten Frau. In ihrer von Männern und deren Machtspielchen beherrschten Welt setzt sie sich mit Klugheit, Vorsicht und nötiger Kompromisslosigkeit durch, hebt sich über gesellschaftliche Konventionen hinweg und erweist sich als nicht weniger geschickt im Sichern ihrer Macht als die männlichen Konkurrenten.

Zu dieser glänzenden Leistung der Hauptdarstellerin, die Elizabeth zu einer schillernden, starken Frauenpersönlichkeit macht, gesellt sich ein ebenfalls überzeugender Cast. Mit internationalen Stars wie Geoffrey Rush, Sir Richard Attenborough, Fanny Ardant und Vincent Cassel sind selbst kleinere Nebenrollen exquisit besetzt. Und vor allem Cassel als überdrehter französischer Adliger sorgt für einige herrlich groteske Szenen, die den ernsten Grundton des Films ein wenig auflockern.

Wie das bei Mittelalterfilmen meistens der Fall ist (oder es sein sollte), spielt auch das Setting eine nicht geringe Rolle. So wirken die riesigen Hallen und verwinkelten Schlossgänge ebenso beeindruckend wie die opulenten Kostüme und die aufwendigen Massenszenen. Für Freunde des klassischen Kostümfilms wird hier einiges geboten. Aber auch inhaltlich entwickelt "Elizabeth" eine durchaus ernstzunehmende Fülle: Deutlich zeigt er, wie Machtgier und religiöser Fanatismus zu Hass und Gewalt führen und ganze Gesellschaften zerreißen können. Die entartete Brutalität des mittelalterlichen Christentums wird hier ungeschönt gezeigt.

Auch wenn manche Szenen etwas im Dunkeln bleiben und auch die eine oder andere Figur in ihrer Bedeutung nicht ganz klar wird, besticht "Elizabeth" durch seine aufwendige Inszenierung und die starken Darsteller. Im Gewand eines Historienfilms erzählt er eine ganz moderne Geschichte über starke Frauen und die Schwierigkeiten, die sie überwinden müssen. Eine Thematik von universeller Gültigkeit.

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