Der Bürgerkrieg in Liberia dauerte rund vierzehn Jahre und es wird geschätzt, dass mindestens 20000 Kindersoldaten beteiligt waren. Viele von ihnen waren noch nicht einmal zehn Jahre alt, als sie lernten mit einer Waffe umzugehen und meinten, sich Macht und soziale Anerkennung durch wahllose Erschießungen, Plündrereien und Vergewaltigungen zu verschaffen. Vorliegendes Kriegsdrama veranschaulicht das anhand des fünfzehnjährigen Johnny Mad Dog.
Der Name des Staates wird zwar zu keiner Zeit genannt, doch der Dreh an Originalschauplätzen Liberias und der Einsatz von Ortsansässigen verdeutlicht die Tendenz, wobei annähernd jeder andere afrikanische Staat stellvertretend glaubhaft wäre.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist in die ersten Minuten der Originalton mit deutschen Untertiteln, ohne die auch kaum ein Satz zu verstehen wäre, da eine Mischung aus Englisch und Afrikaans mit Slang gesprochen wird.
Man wird ohne Vorgeschichte ins Kriegsgeschehen geworfen, Johnny und seine Truppe zwingen einen Jungen dazu, seinen eigenen Vater zu erschießen, man sucht Essen und nimmt darauf eine Fernsehstation ein, um den Kontakt nach außen zu unterbinden.
Stets ist die Kamera dicht am Geschehen, die latent harten Worte der fluchenden und beleidigenden Minderjährigen verfehlen nicht ihre bedrückende Wirkung, grundlos werden Zivilisten erschossen, denn es herrschen recht individuelle Regeln, die niemanden verschont, auch keine Kinder, die man zunächst als Lügner bezichtigt und anschließend ohne Gefühlsregung exekutiert.
Als Gegenpol und als minimaler Funken Hoffnung dient das Mädchen Laokole, die sich um ihren kleinen Bruder kümmern muss und gleichzeitig ihren schwer verletzten Vater ins Hospital schleppt, während um sie herum das Chaos tobt.
Zweimal trifft sie auf Johnny und am Ende scheint die beiden Gleichaltrigen fast schon etwas zu verbinden und wenn es nur die grauenvollen Erfahrungen, die Verluste und die Ängste der letzten Monate sind.
Eindringlich zeigt der Streifen, wie manipulativ Kinder sind, wie Moral und Emotionen weitgehend ausradiert werden und der pure Gedanke an mehr Macht über Leichen gehen lässt.
Dabei wird nicht nur aufgrund der intensiv aufspielenden Darsteller eine Authentizität geschaffen, die keine Zweifel an der Echtheit wahrer Geschehnisse aufkommen lässt.
Hinzu kommen die detailliert ausgestatteten Sets, Trümmerlandschaften mit brennenden Autos, zahlreichen toten Körpern am Boden und bombardierten Häusern.
Leider kann die Geschichte diesbezüglich nicht mithalten, denn sie wirkt wie eine Momentaufnahme, der phasenweise der rote Faden fehlt. Johnny, als auch Laokole klappern in rascher Reihenfolge diverse Stationen ab, doch die Story läuft auf eine eher vage Aussage hinaus, nämlich dass der Krieg grundlegend nur Verlierer und Opfer kennt.
Dennoch ist diese belgisch-französische Produktion jedem zu empfehlen, der weniger Action und Schauwerte sucht und mehr Wert auf Realismus und glaubwürdige Figuren legt.
Spannende Momente kommen zwar etwas kurz und auch Zwischenmenschliches wird eher am Rande abgearbeitet, doch die brutale Wucht, die zuweilen auf einen einhämmert und der nachdenkliche Eindruck der zurückbleibt, sind eventuell Argumente für den einen oder anderen, eine Sichtung zu riskieren.
7 von 10