Dass Werbetexter versuchen sperrige und schwer übersetzbare Filmtitel dem deutschen Markt anzupassen ist legitim, gelingt in der Regel aber selten. "Schön bis in den Tod" bildet in diesem Zusammenhang eine positive Ausnahme, denn zum Einen verweist der Titel - wie auch im Original - nicht konkret auf das Genre "Slasher" hin, zum Anderen ironisiert er schön, weshalb es hier überhaupt zur Katastrophe kommt.
In einer der besten Szenen des Films, unterhält sich Jessica (Leah Pipes) mit Senator Tyson (Rick Applegate), dem Vater ihres Freundes Kyle (Matt Lanter). Dieser beginnt mit der Aussage, sie wäre ein sehr lebendiges Mädchen, was sie für einen kurzen Moment positiv auffasst, bevor er klarmacht, dass er es genau umgekehrt meinte. Der Mann will vor allem eine Schwiegertochter, die seine politische Karriere nicht gefährdet, und sie will in eine angesehene Familie einheiraten - Emotionen sind hier Fehlanzeige, nur die persönlichen Interessen spielen wirklich eine Rolle. Das wird auch im Originaltitel "Sorority Row" deutlich, der auf die sehr Amerika-spezifischen, in diesem Fall weiblichen, Verbindungshäuser anspielt, in der die Studentinnen während ihrer College-Zeit zusammenleben und die sie - Generations übergreifend - für Verbündete im weiteren Leben machen sollen.
Selbstverständlich mussten sich auch die Mädchen des "Theta-Pi" zuvor den strengen Auswahlkriterien ihrer Vorgängerinnen stellen, einen Massstab, den sie auch zukünftigen Mitgliedern angedeihen lassen werden, und der sich nicht zuletzt in einem optisch gefälligen Äusseren manifestiert. Ausser von Ellie (Rumer Willis), die einmal kurz erwähnt, dass sie ein Stipendium benötigt, hört man konsequenterweise kein Wort über den zukünftigen Berufswunsch oder die Wahl der Universität, dagegen viel über den gutaussehenden Freund und dessen Eltern, Schönheitsoperationen oder die Neigung zu Bulimie. Wirklich wichtig scheint für die Mädchen nur zu sein, eine möglichst gut Partie zu machen.
Interessant an dieser Konstellation zwischen Wunsch und Realität ist die Diskrepanz, die sich schon in den ersten Bildern des Films zeigt. Statt sich brav auf ihre zukünftige Rolle als Ehefrau in einer angesehenen Familie vorzubereiten, lassen die Mädels des "Theta-Pi" in einer Party die Sau raus. Es ist die große Differenz zwischen Aussendarstellung und den eigentlichen Bedürfnissen, die von Beginn an zur Verlogenheit erzieht und die auch das Gehirn vernebelt, als es zu einem tragischen Unglück kommt. Anstatt der Polizei den Tod an ihrer "Mitschwester" Megan zu erklären, der als Folge eines Streiches entstand, an dem die Getötete selbst nicht weniger Schuld trägt als die anderen Mädchen, wird die Leiche einfach in einem Schacht entsorgt und Stillschweigen vereinbart. Die Panik vor einer rechtlichen Verurteilung spielt dabei weniger eine Rolle als die Zerstörung des eigenen guten Rufes, weshalb vor allem Jessica als zukünftige Senatoren - Schwiegertochter stark an einer Vertuschung interessiert ist.
Die eigentliche Handlung setzt erst acht Monate später ein, als das Ende ihrer College - Zeit erreicht wird, das natürlich mit einer riesigen Party im Verbindungshaus gefeiert wird. Thematisch erinnert das vordergründig an "Ich weiß, was ihr letzten Sommer getan habt", aber während sich dort die Wege der Protagonisten für ein Jahr trennten, blieben die Mädchen weiter zusammen in ihrem Verbindungshaus, bis auf Cassidy (Briana Evigan), die als Einzige auszog, weil sie gegen die Verheimlichung des Unglücks war. In diesem Punkt unterscheidet sich der Film wesentlich von diesem Vorbild (was es streng genommen gar nicht ist, da die Originalversion von "Rorority Row" älter ist, als der 90er Jahre Slasher), denn es zeigt sich zunehmend, dass in den acht Monaten nach Megans Tod doch mehr geschehen war, als die Beteiligten selbst annahmen.
Mit Logik hat das Ganze natürlich wenig zu tun, denn es ist schwer vorstellbar, dass die Polizei das plötzliche Verschwinden eines Mädchens aus gutem Hause in acht Monaten nicht aufgeklärt hat, vor allem da dem kein perfekt geplantes Verbrechen voraus ging, sondern ein idiotischer Streich mit unzähligen Spuren, die hinterlassen wurden. Aber darum geht es in "Schön bis in den Tod" gar nicht, sondern im genüsslichen Wühlen im Dreck, der von allen Beteiligten ständig unter den Teppich gekehrt wird. Das beginnt schon beim ersten Mord in einer Psychiatrie - Praxis, die von der bulimistischen und sexsüchtigen Katie (Justine Wachsberger) kurz vor Partybeginn besucht wird, um schnell noch ein paar passende Pillenrezepte zu erlangen. Der Psychiater selbst scheint seine Patientin entsprechend gut zu kennen, da er kleine Gefälligkeiten dafür erwartet, die zu geben sie auch bereit gewesen wäre, wenn ein brutaler Mörder nicht dazwischen gefunkt hätte.
Von diesen Morden weiß auf der Party natürlich Niemand, weshalb er sein Werk im allgemeinen Chaos in Ruhe weiter fortsetzen kann. Auffällig an seiner Opfer - Wahl ist, dass sie sich keineswegs an den Mädchen orientiert, die damals bei Megans Tod dabei waren, sondern auch eine Vielzahl von zufällig Anwesenden trifft, besonders die männlichen Begleiter der "Schwestern". Der weitere Verlauf des Slashers unterliegt sonst den klassischen Regeln des Genres, verfügt über schön plakativ gestaltete Morde, diverse unbekleidete Nebendarstellerinnen und den üblichen Schreckensmomenten, ohne dabei besonders innovativ zu sein.
Die überraschende Lösung wirkt vordergründig an den Haaren herbeigezogen, verdeutlicht aber das ironische Potential des Films, der zwar die bekannten Charakterklischees ausweist, aber auf einen wirklich positiven, anständigen Protagonisten glücklicherweise verzichtet. Stattdessen wird hier die verlogene Konstellation der Verbindungs-Häuser mit allen Konsequenzen auseinander genommen, was den Spass an diesem Slasher erst richtig zum Tragen bringt (7/10).