Ein Film wie eine kleine, adrette, aber dennoch tödliche Lawine - so etwas traut sich heute kaum noch jemand in Hollywood. Sam Raimi ist zu beglückwünschen, dieses finstere, kleine Drama in der Tradition von "Fargo" inszeniert zu haben, allerdings mit einem wesentlich grimmigeren Fatalismus und nur noch hämisch-sarkastischen Humor, der mehr aus der Irrationalität des Geschehens und der Unfähigkeit der Charaktere entspringt, als aus der Handlung selbst.
Wenn Bill Paxton schleppende Einleitung erklingt und die Kamera die Leere eines Hauses und die endlose Weite der schneebedeckten Landschaft einfängt, kann man die Reise in die Verzweiflung schon erahnen die folgt. Wie schlimm es dann aber noch wird, ist noch gar nicht abzusehen.
Aber was Murphys Gesetz angeht, so ist dieses Drama ein Paradebeispiel: das Schlimmste geschieht und es geht immer noch etwas schlimmer.
Aufmerksame Geister werden es schon ahnen, als wir die vier wesentlichen Personen vorgestellt bekommen: Paxton als zwar studierter, aber längst nicht wirklich erfolgreicher baldiger Familienvater mit Frau, der zwar ein wenig mehr Intellekt, aber kaum das Durchsetzungsvermögen hat, um damit etwas anzufangen. Billy Bob Thornton (eine Studie in Häßlichkeit) als sein optisch widerlicher, geistig begrenzter, aber gefühlsmäßig tiefer schürfender Bruder, vom Leben vernachlässigt, nicht wirklich schlau, aber mit erheblichen Lichtblicken. Brent Briscoe als von der keifenden Frau unterdrückter Säufer mit reichlich wenig Hirn. Und als finsteres Zentrum der neutralsten Art Bridget Fonda, die ihr und Paxtons weiteres Schicksal in Reichtum stets im Auge behält, um stets den Anstoß für die eigene Sicherung zu geben, was zu immer neuen Katastrophen führt.
Die Abhängigkeitsverhältnisse zwischen diesen vier Figuren sind so fein gesponnen, daß gar nichts anderes passieren kann, als das jeweils einer die anderen mitreißen wird. Schuld, Abhängigkeit und Vertrauensbrüche durchziehen jede Aktion, die zwar rein gedanklich funktionabel sind (und tatsächlich irgendwie jedesmal das gewünschte Ergebnis bringen, jedoch anders als man denkt), aber bei diesen schwachen Charakteren den schieren Wahnwitz bedeuten.
So reiten sich die vier immer tiefer in die Scheiße und immer mehr Leichen säumen ungewollt ihren Weg. Paxton mordet erst, um seinen Bruder zu retten, der revanchiert sich später, woraufhin wiederum Paxton in Notwehr zur Waffe greift. Das alles kulminiert schließlich in einer suspensereichen, meisterhaft konstruierten Sequenz, als Gary Cole als FBI-Agent die Thornton, Paxton und den Polizeichef für die Suche nach dem Geld verpflichtet, wobei aussteht, ob Cole wirklich der ist, der er vorgibt zu sein.
Raimi hat von den Coens eine Menge gelernt, setzt auf die Optik der endlosen Weite, der winterlichen, tödlichen Stille, eine Dimension so leer, wie das Innere seiner Protagonisten, deren dunkle Triebe unter einer dicken Schneedecke aus Resignation und Frust begraben sind, ehe das richtige Ereignis sie erwachen läßt. Mit dem Geld zitiert Raimi Hitchcock, indem er es als klassischen MacGuffin in die Handlung einbaut, Auslöser der Geschehnisse, an sich jedoch nur wenig wichtig. So komplex die Figuren hier sind, so schwach und farblos waren sie im Nachfolger "The Gift".
Schauspielerisch vom Feinsten, liegt das Gewicht nicht auf Thriller, sondern auf Drama und das spielen Paxton, Thornton und Co. lang und breit aus. Einzelne Gewaltausbrüche wirken wie Landmarken, an denen wieder ein Stück Menschsein der Charaktere vernichtet wurde.
Fans grimmiger Konstellationen werden ihre helle Freude an diesem bedächtigen, aber genial konstruierten Plot haben, ein Mahnmal der Unausweichlichkeit. Wer mit solch vollkommen fatalistischen Untertönen jedoch nicht anfreunden kann, der wird von dem ausweglosen Treiben arg genervt das Handtuch werfen. Vor allem das düstere Ende, daß eine der Existenzen zwar gesetzlich straffrei ausgehen läßt, aber innerlich völlig abgestorben und erloschen präsentiert, wird HappyEnd-Fans in Scharen davon treiben.
Für mich bleibt es eine der fiesesten und ausweglosesten Würgeschlingen, die je ausgelegt worden sind und trotz offensichtlicher Längen zwischendurch und der bisweilen verabscheuungswürdigen Charaktere bleibt ein genußvoller Eindruck zurück. Schmeckt nur etwas anders als sonst üblich. (7,5/10)