Die Faust im Gesicht von Hugo Marciac (Dany Boon) trifft es genauso offensichtlich, wie die Entschuldigung seiner Frau Ariane (Sophie Marceau), die ihm diese gerade verpasst hatte - "an deiner Stelle, wäre ich jetzt schon bei der Polizei!"
Hugo Marciac ist zwar Chef einer mittelständigen Firma und gilt als guter Verhandler, aber Dany Boon als angeblich knallharter Geschäftsmann, der seine Familie vernachlässigt, wirkt trotzdem immer so nett und verträumt wie als Glockenspieler bei den Sch'tis. Sophie Marceau schafft es zwar nicht, den Handwerker davon zu überzeugen, endlich bei der Hausrenovierung weiter zu machen, und lässt sich auch von der Lehrerin anmeckern, weil sie ihre Kinder zu spät zur Schule bringt, wirkt aber so tough wie als Bond-Girl, weshalb ihre körperliche Attacke auf ihren friedlichen Mann, der es kurz wagte, seine Arbeitsanstrengungen über die ihren zu stellen, nicht überrascht.
Das sie sich als Hausfrau und Schmuckverkäuferin wenig ausgelastet findet und sofort auf den nicht ernst gemeinten und im Affekt geäußerten Vorschlag ihres Mannes eingeht, einmal die Rollen zu tauschen, ist da nur folgerichtig. Schnell organisiert sie eine Art Schiedsrichter, Maurice (Antoine Duléry), der diesen Rollentausch überwacht, während ihr Mann dazu nur nicken kann. Kurz darauf fährt sie mit seinem Jaguar in schicken Business - Klamotten zur Firma, während er in ihrem rosa Autochen versucht, die Kinder in die Schule zu bringen.
Natürlich zweifelt Ariane auch ein bisschen an sich, ob sie ihre Rolle auch auszufüllen vermag und lässt sich von Maurice dazu ein paar Tipps geben, wie man als Chef eigene Unsicherheiten überspielt, aber es dauert nicht lange, bis sie in die Sache hineingewachsen ist. Bei ihrem Mann spart sich der Film gleich irgendwelche psychischen Schwierigkeiten, zeigt ihn einen Moment lang beim uncharmanten Verkauf von Schmuck und lässt die Kinder über sein Essen die Nase rümpfen, bevor man den Eindruck bekommt, dass Hugo als Hausmann erst richtig in seinem Element ist und darin voll aufgeht.
Da es sich um eine Komödie handelt, war nicht zu erwarten, dass "Auf der anderen Seite des Bettes" dieses Emanzipationsproblem ernsthaft angeht, aber es hätte zumindest etwas kontroverser werden können, wenn man einen Mann auf die Kinder losgelassen hätte, für den Hausarbeit schon immer das Grauen war, während seine Frau bisher wenig Geschäftsinteresse gezeigt hätte. Selbst wenn die beiden Darsteller charakterlich mehr dem geschlechtsspezifischen Klischee entsprochen hätten, hätte es zu chaotischeren Verhältnissen führen können, aber der Film setzt sich keinen Moment damit auseinander, was passiert wäre, wenn Ariane die Sache in der Firma wirklich über den Kopf gewachsen wäre, während gleichzeitig das Haus verwahrloste und die Schulleistungen der Kinder rapide abgenommen hätten.
Vielleicht wollte man durch Sophie Marceaus Fähigkeiten einfach nur beweisen, dass selbstverständlich auch Frauen "ihren Mann" stehen können, aber wenn man das als Beitrag zur Emenzipation begriff, ging der Schuss genau nach hinten los. Denn letztlich beweist hier nur der Mann, dass er in allen Lagen beste Leistungen bringen kann, während sie zwar kurz das freie Leben des Firmenbosses geniesst, aber bald schon unter den Schattenseiten der Entfremdung von ihren Kindern leidet. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten des Ehepaars Marciac stellt sich sowieso die Frage, ob hier nur ein Luxusproblem mit hohem Aufwand ausdiskutiert wird, anstatt dieses mit der Anstellung einer Hausangestellten zu lösen.
Wäre die gesamte Chose im professionellen Hollywood-Stil vorgetragen worden, wäre der pseudo-philosophische Ansatz unerträglich geworden, aber dank der gut aufgelegten Hauptdarsteller, die mit Schwung an die Thematik herangehen, verleiht das dem Geschehen einen gewissen Charme. Dazu trauen sich die Franzosen auch etwas, lassen das Ehepaar auch einmal fremdgehen, ohne gleich mit der moralischen Keule zu kommen, und verbandeln Arianes Mutter (Anny Duperey) mit dem deutlich jüngeren Aufpasser Maurice.
So entwickelt sich hier ein Geschehen, dessen Hintergrund man nicht ernst nehmen darf, sondern nur als Basis für einige witzige, manchmal sogar absurde Szenen betrachten sollte, die zumindest den Unterhaltungswert des Films über die gesamte Zeit hochhalten (4,5/10).