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Der langjährige Nachrichtensprecher Howard Beale soll wegen sinkender Quoten gefeuert werden. Vor laufender Kamera macht er sich in einem wütenden Ausbruch Luft – und prompt jagt seine Rage die Ratings in die Höhe. Natürlich wird er sofort wieder eingestellt und als “zorniger Prophet” vermarktet. Doch was tun, sobald der Prophet keinen Profit mehr bringt? Es muss etwas geschehen! Am besten während einer Live-Sendung – vor Publikum.

Network ist eine herrlich bissige Medien Kritik, die an der Allmacht des Fernsehens nicht nur rüttelt, sondern durch den Kakao und sämtliche Matschsuhlen zieht. Das ganze allerdings nicht nur vor der Kamera, sondern auch das Management bekommt sein Fett, ebenso wie abseits des Geschehens, wenn Nachrichten manipuliert werden und sei es das man dafür mit Terroristengruppen wie der ökumenischen Revolution (!) kooperieren muß. Jede Menge Stoff also , um mal zwei Stunden so richtig abzuledern und 10 Oscar-Nominierungen bei 4 erhaltenen Goldknaben sind da ein deutliches Argument zugunsten von Network.
Die Hauptstory dreht sich aber zumeist um Howard Beale, einem alternden Nachrichtensprecher auf dem stark absteigenden Quotenast. Dieser verkündet via TV seinen Live-Suizid in acht Tagen, stattdessen läßt er aber lieber eine allgemeine Hass Tirade über die damaligen Probleme der USA (Depression, Inflation, Ölkrise, kalter Krieg, Oscar 1976 für Rocky als besten Film) und spricht dem Mann von der Straße aus dem Herzen. Das bringt ihn den Job als zornigen Propheten, einer neuen Sendung und dem Zuschauer herrliche Monologe.
Dazu gibt's im Hintergrund bei den Produzenten und Senderchefs ein munteres Intrigenspiel, für das sich Cäsar, Brutus und der ganze römische Senat vor Neid in die Toga beißen würden. Da werden Tatsachen verdreht, Allianzen gebildet, miteinander geschlafen und Posten verschachert, als wäre es eine olympische Sportart. Der Humor dabei ist wirklich zumeist sehr gelungen und verzeichnet echte Lacher. Network schafft dabei einen gesunden Spagat aus kritisch angehauchter Satire aber auch witziger Komödie.
Es ist wirklich interessant zu sehen, wie der Film quasi seine eigene Existenz genüßlich verreißt. Sender sind hier kein Zentrum für Unterhaltung oder Information, sondern schlicht kommerzgeile Huren, die für die Quoten (im wahrsten Sinne des Wortes) über Leichen gehen und jeden Funken von Anstand und Moral im Redaktionslokus runtergespült haben. Im Bereich Satire kann ich Network jedenfalls wärmstens empfehlen.
8/10

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