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"Blau", die Farbe der Melancholie. Und gleichzeitig der Titel des ersten Filmes einer Trilogie. Krzysztof Kieslowski schuf ein Werk über die Grundprinzipien der französischen Revolution Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Dieses setzt er Farben gleich: Blau, Weiß und Rot. Entsprechend hat auch jeder Film seinen eigenen Charakter.

"Blau" handelt von der persönlichen Freiheit, stellt diese aber gleichzeitig in Frage. Melancholisch, einfühlsam und sehr still beschreibt Kieslowski das Schicksal einer jungen Frau, Julie, die bei einem Unfall ihre Familie verlor. Sie versagt sich dem Leben, zieht sich zurück, will alleine und einsam den weiteren Verlauf ihres Lebens passieren lassen. Dies ist ihr Begriff von persönlicher Freiheit: So wie sich andere verwirklichen und ihr Selbst bestätigen, so versagt sie sich all dem.

Doch so frei in ihren Entscheidungen ist sie letztlich doch nicht. Das Leben hat anderes mit ihr vor und holt sie unerbittlich ein. Schlußendlich muß sich Julie eingestehen, daß nichts im Leben frei entscheidbar ist - selbst sie ist in den Klauen des Schicksals gefangen und muß gegen ihren Willen weiter am Leben gestalterisch teilnehmen.

Kieslowski stellt wunderbar das Prinzip "Freiheit" in Frage, zeigt detailliert und in ruhiger Art die Unumkehrbarkeit des Schicksals auf. Juliette Binoche mimt eine starke Julie, und bereits hier beginnt das harmonische Bild Risse zu zeigen. Binoche paßt nicht zur Figur der Julie. Binoche ist eine Powerfrau, das Verhalten Julie's ist so selten nachvollziehbar. Zudem handelt es sich (leider) um einen typisch französischen Film: Klischeehafte Szenerie, gestelzt wirkende, dramaturgisch unrealistische Dialoge überwiegen (selbst nach dem Sex siezen sich Julie und Olivier...) und Verhaltensweisen, die einfach nur in französischen Filmen in nicht nachvollziehbarer Manier vorkommen, beeinträchtigen "Blau" leider in seiner Gesamtheit.

Hervorzuheben ist in "Blau" vorallem die überwältigende Filmmusik. Zbigniev Preisner schuf ein Meisterwerk, seine Klänge fließen immer wieder harmonisch in die Dramaturgie mit ein, teilweise nur mit Fragmenten, teilweise mit längeren Auszügen. Man spürt bei jeder Melodie deutlich seine besonders nahe emotionale Bindung an diesen Film, bedingt durch die Ähnlichkeit mit dem eigenen Schicksal.

Der Film hinterläßt einen bleibenden Eindruck. "Blau" ist Kopfkino vom Allerfeinsten - mit einer Aussage, die man in seiner Gesamtheit erst versteht wenn man die Trilogie zu Ende gesehen hat.

(6/10)

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