"Weiß" ist die zweite Farbe der französischen Flagge und Titel des mittleren Teils einer wunderbaren Trilogie von Krzysztof Kieslowski über die drei Farben Blau, Weiß und Rot und ihre Bedeutung Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. In diesem Teil geht es also um die Gleichheit - und anders als im melancholischen "Blau"-Teil gehandhabt überwiegen nun hellere, freundliche Töne. Viele Symbole werden verwendet: das weiße Hochzeitskleid, überbelichtete Sonnenbilder, schneebedeckte Landschaften, weiße Wände.
Auch die Handlung ist nun dialogreicher, lebensnaher, humorvoller und vorallem mit mehr Tempo versehen. Karol heiratet seine große Liebe Dominique, die es aber nach sehr kurzer Zeit nicht mehr aushält und sich scheiden lassen will. Der Grund: Karol scheint impotent geworden zu sein. Er verliert alles: Seine Frau, sein Geld, seinen Paß und letztlich sogar seinen Friseursalon. Er flieht zurück in seine Heimat Polen und beschließt sich furchtbar an seiner Ex zu rächen. Ein teuflischer Plan wird ersonnen und gnadenlos umgesetzt - wie Du mir, so ich Dir. Die Gleichheit scheint letztlich wieder hergestellt zu sein. Doch Kieslowski stellt auch das in Frage: rinnen da nicht ein paar Tränen zuviel über Karols Wangen?
Man fiebert mit, man wünscht sich Karol die Vergeltung - und doch ein Happy End. Ein Film, der in Hollywood nie gedreht würde - französisches Kino mit polnischem Einschlag, schwierig, aber diesmal gut gegangen. Julie Delpy ist passend besetzt, vorallem aber Zbigniew Zamachowski (bekannt aus "23") brilliert in dieser Rolle des gehörnten Ehemanns, der trotz allem seine Ziele nicht aus den Augen und seinen Humor nicht aus dem Herzen verliert.
"Weiß" ist ebenso wie die anderen Teile der Trilogie Kopfkino, doch bei weitem nicht so anstrengend wie "Blau" und deutlich flüssiger erzählt.
(7/10)