Spielbergs "Der Soldat James Ryan" ist einer jener Filme, die mit perfekter Optik, Tricktechnik und Kamera über gewisse inhaltliche Schwächen hinweg täuschen.
Beim ersten Schauen ließ mich der Film sehr beeindruckt zurück. Doch nachdem ich ihn mir nochmal verinnerlicht hatte, blieb ein schaler Nachgeschmack: trotz all der wirklich extremst grafisch dargestellten Greuel (Massensterben, abgerissene Gliedmaßen, Kopfschüsse und herausquillende Gedärme), die wirklich ultrahart und realistisch wirken, bleibt der Film ohne tiefergehende Kritik. Die Amerikaner verhalten sich (größtenteils) sehr patriotisch und moralisch korrekt, die Deutschen sind (größtenteils) gesichtsloses Kanonenfutter. Es gibt zwar Momente, in denen diese herbe Aufteilung in Gut und Böse verschwimmt, doch diese wirken letztlich nicht nach. Die Story ist extrem unglaubwürdig und irgendwie "spielbergesk" - ein Trupp von 8 Mann soll unter Einsatz von Leib und Leben einen Soldaten hinter feindlichen Linien aufspüren, von dem niemand genau weiß, WO er überhaupt ist - und trieft leider sehr vor amerikanischem Patrioten-Pathos: die Werte der Freiheit und so weiter.
Schauspielerisch werden gute Leistungen gezeigt, wobei aber auch hier nicht an Klischees gespart wird: der aufrechte und zweifelnde Anführer (Tom Hanks), der brummige und am Ende doch auf opferbereiten Kurs gebrachte Soldat (Edward Burns), der kontrollierte Scharfschütze (Barry Pepper), der bärbeißige Sergeant (Tom Sizemore) oder der feinsinnige, ängstliche Jungspund, dem die Nerven durchgehen.
Und so bleiben die zahlreichen Kampfhandlungen zwar fantastisch fotografiert und tricktechnisch zutiefst beeindruckend, erscheinen aber nur als optisches "Candy" für eine höchst zweifelhafte und konstruiert wirkende Heldengeschichte.
Dennoch sehenswert! (7/10)