Saving Private Ryan ist offensichtlich Spielbergs zweiter eindeutiger Beweis dafür, dass er es mit den Deutschen wirklich nicht gut meint. Nach seinem anklagenden Mahnmal „Schindlers Liste“ begibt er sich nun auf das Terrain des eiskalten Krieges der Infanterie.
Die ersten zwanzig Minuten steigen gleich knallhart ins Geschehen ein und zeigen auf realistische Art und Weise, wie das ganze von Statten gegangen ist – brutal, schonungslos, ehrlich. Nicht nur exzessive Gewaltszenen, sondern auch zynische Sprüche drücken das Geschehen des D-Days treffend aus.
Aber danach wird´s hanebüchen. Ein Captain wird von ganz oben beauftragt, zusammen mit einem Trupp um die zehn Leute einen einzigen Soldat aufzuspüren und nach Hause zu schicken, da seine drei Brüder bereits gefallen sind. Totaler Schwachsinn. Aber der merkwürdige Trend der Handlung ist nicht das einzige Problem – auch die primitiven Dialoge mit durchtriebenem Fäkalhumor und der bewusst eingestreute Humor durch einen vertrottelten Corporal nerven gewaltig und beleidigen schon fast das kurz zuvor Geschehene. Zwischendrin schlägt die Stimmung noch einmal ins Melancholische um, nur um dann, als man das Ziel der Begierde findet, wieder ins Grobe abzurutschen. Und natürlich sind die Amerikaner schließlich auch gezwungen, heroisch (und wahrhaft unrealistisch!) gegen eine Überzahl zu kämpfen, da Söhnchen Ryan seine Kameraden nicht im Stich lassen möchte. Ein Garant (Vorwand) für eine weitere Schlachtplatte, diesmal jedoch nicht im Sinne des Anfangs, sondern zum reinen Entertainment durch Spannungsaufbau. Wer überlebt das Ganze denn nun? Dazu gesellen sich wiederum sehr rohe Actionszenen, wie ein Messer, welches ganz langsam in einen Körper getrieben wird, oder eine 20mm-PAK-Kanone, mit der auf Soldaten geballert wird. Bleibt zu erwähnen der deutsche Soldat, der von Tom Hanks freigelassen wurde und diesen dann später erschießt – natürlich nicht ohne Strafe, die gleich auf dem Fuße folgt. Was hat sich der Spielberg nicht alles ausgedacht, um so nahe wie möglich beim Thema zu bleiben und möglichst schockierend zu wirken. Vielleicht hätte er das Drehbuch auch gleich noch selbst schreiben sollen, dann hätte es vielleicht noch weniger Punkte gegeben.
Die Schauspieler sind okay, über sie kann man nicht meckern, auch wenn einem Matt Damon ziemlich auf die Nerven geht, reißt Tom Hanks noch einiges raus. Auch die Kameraarbeit geht voll in Ordnung, da ist der Oscar ausnahmsweise mal richtig verteilt worden. Doch bis auf ein paar Ausnahmen kommt auch hier das internationale (deutsche) leid zu kurz, es fallen zwar auch Deutsche, aber man wird einfach das Gefühl nicht los, als ob die US-Helden die einzigen sind, die mords zu leiden haben. Und leider gesellt sich auch unser guter Freund Patriotismus recht überschwänglich hinzu – die Fahne wirkt zwar blass, doch das betont das Gefühl gerade um so mehr.
Wegen der wirklich treffend inszenierten ersten 20 Minuten wird der Film auch bei mir aufgewertet, mehr als 4 Punkte sind aber echt nicht drin.