Er kam, er sah, aber er siegte nicht: Hollywood-Großmeister Steven Spielberg nahm sich nach seinem Erfolg mit "Schindlers Liste" vor, den ultimativen Film über den 2. Weltkrieg zu drehen. Was dabei herauskam, ist leider nichts anderes als ein erbärmliches Stückchen kitschiger Heldenpropaganda, an der nur eingefleischte Kriegstreiber wie Bush und Cheney ihren Spaß haben können.
Als Hintergrundstory für dieses Machwerk dient die Geschichte von vier Brüdern, die allesamt in der US Army kämpfen und von denen nicht weniger als drei (!) in derselben Woche getötet werden. Allein das ist schon so unwahrscheinlich, daß es fast schon lächerlich ist (in historisch verbürgten Fällen wie den im Film erwähnten Brüdern aus dem Amerikanischen Büprgerkrieg oder den berühmten "Sullivan Brothers" befanden sich die Opfer immerhin in derselben Kompanie bzw. auf demselben Schiff, hier trifft es sie zur selben Zeit an den entgegengesetzten Enden der Normandie und auf Neuguinea). Aber damit noch nicht genug, der Generalstabschef Marshall höchstpersönlich ordnet die Rettung des überlebenden Bruders an, der - ein weiterer unglaublicher Zufall - in der Normandie verschollen ist. Dass der somit aufgeworfene Moralkonflikt "Soll ein halbes Dutzend Männer ihr Leben für die Rettung einer Einzelperson riskieren?" nur ein bloßes Stilmittel ist, erweist sich spätestens am Ende des Filmes, wenn uns Spielberg die Antwort gibt: "Retter UND zu Rettender sollen gemeinsam für eine unwichtige Brücke krepieren, weil der Ruhm Amerikas dieses verlangt."
Es folgt die einzige gute Szene des Films, nämlich die Landung bei Omaha Beach, die in der Tat sehr realistisch wirkt. Allerdings beschleicht den Zuschauer schon bald der Verdacht, dass die akribische Darstellung der amerikanischen Verluste nur den Zweck hat, das Schuldkonto der bösen Krauts zu erhöhen, damit in den folgenden zwei Stunden mit ihnen abgerechnet werden kann. Und tatsächlich, nach zehn Minuten legt jemand einen unsichtbaren Schalter um, und die heldenhaften GIs stürmen im Handumdrehen die bunkergespickte Steilküste, ohne noch einen weiteren Mann zu verlieren.
Unter Führung von Tom Hanks (auch er wirkt nicht wirklich überzeugend) macht sich nun der Suchtrupp auf, um nach allerlei Abenteuern tatsächlich auf Private Ryan zu stoßen (der bisherige Gipfel der Unwahrscheinlichkeit). Aber, wie wir von dem Vermißten erfahren, wird ein deutscher Gegenangriff erwartet, und natürlich verzichtet nicht nur er selbst heroisch auf seine Rettung, sondern auch die verhinderten Retter beschließen, sich im Kampf gegen die bösen Nazis notfalls heldenhaft aufzuopfern (Alamo wird hier wörtlich erwähnt!) Während der größte Teil der Retter draufgeht, erlebt der selbstlose Ryan natürlich unversehrt das Eintreffen der rettenden Kavallerie, nachdem bereits unzählige SS-Männer von dem kleinen Häuflein Amerikaner ins Jenseits befördert worden sind.
Die verlogene Moral des Films ("Stelle niemals einen Befehl in Frage, sondern opfere dich zum Wohle des Vaterlands!"), die - welch Ironie - in ähnlicher Weise schon von Joseph Goebbels verbreitet wurde, habe ich bereits erwähnt. Sie alleine bricht dem Film schon das Genick. Aber dennoch einige Anmerkungen zur historischen Authenzität: ein Pluspunkt ist sicherlich die materielle Ausstattung, an der es nicht viel auszusetzen gibt (realistische Uniformen, bester Film-Tiger aller Zeiten). Doch die beschriebene militärische Situation ist schlichtweg falsch. Die rechte (westliche) Flanke des Brückenkopfes in der Normandie war zu keiner Zeit ernsthaft bedroht, schon gar nicht durch deutsche Panzerreserven, die von Rundstedt ja zurückgehalten wurden. Alle nennenswerten Gegenangriffe erfolgten von Süden oder Osten und trafen in erster Linie die Briten. Die SS-Panzerdivision "Das Reich", die im Film von Hanks und Konsorten verhackstückt wird, war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht an der Front eingetroffen, sie verfügte auch über keine Tiger, die nur in selbstständigen schweren Panzerabteilungen anzutreffen waren. Und selbst wenn wir dem Drehbuch einmal folgen und tatsächlich eine Bedrohung der amerikanischen Flanke annehmen, warum, in aller Welt, sollte man die entscheidende Brücke dann in einer aussichtslosen Schlacht bis zum letzten Mann verteidigen, wenn man das Ding auch ganz einfach in die Luft jagen kann? Hier bricht auch die letzte Logik zusammen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die ärgerliche Darstellung der deutschen Soldaten. Sie laufen kahlgeschoren wie Skinheads umher (für einen solchen "Haarschnitt" hätte es in der Wehrmacht saftige Strafen gegeben!), rennen wie aufgescheuchte Hühner von einer Ecke in die andere und sind nicht in der Lage, die von ihnen herumgeschleppten Waffen auch einmal abzufeuern, während die pfiffigen GIs mit selbstgebastelten Sockenbomben auch den schwersten Panzer knacken. Ein Deutscher, der von dem Suchtrupp gefangengenommen wird, fleht in einer unerträglichen Szene weinerlich um sein Leben ("Tuuut, tuuut! Steamboat Willie!" - aber wer kannte im Dritten Reich schon Mickey Mouse?) und wird von den Amis laufen gelassen, weil er so eine jämmerliche Gestalt ist. Jedoch, wie könnte es anders sein, er dankt es den Heldenyankees schlecht und schließt sich der nächsten deutschen Einheit an, um später im Film erneut Jagd auf Amis zu machen. Die Strafe folgt natürlich auf dem Fuße: ein zweites Mal gefangengenommen, wird er wie ein toller Hund abgeknallt.
Die Aussageabsicht des Films ist klar: der gewöhnliche miese Kraut ist ein lächerliches und feiges Schwein, das sich an keine Abmachungen hält, sondern heimtückisch jedem anständigen Ami in den Rücken zu fallen droht und deshalb bedenkenlos kaltgemacht werden darf. Offenbar war diese verzerrte Darstellung Spielberg dann dermaßen peinlich, daß er beschloß, sie durch eine ebenso widerliche Szene auszugleichen, in der ein SS-Mann einen jüdischen GI ersticht (was dann auch noch als "mutiger Tabubruch" bezeichnet wurde!).
Am Ende des Films hat man den Eindruck, einen angestaubten B-Western aus den 50er Jahren gesehen zu haben: die Wagenburg ist gerettet, der strahlende Cowboy Ryan hat überlebt, während Sheriff Hanks heldenhaft für die gute Sache gefallen ist und eine Quadratmeile um ihn herum die Leichen der bösen Nazi-Indianer den Boden bedecken. Das schlimmste an der ganzen Geschichte: dieser Kitsch fuhr auch noch einen Haufen Oscars ein, während der um Klassen bessere Malick-Film "The Thin Red Line" nahezu leer ausging. Aber es war ja schon leider immer so, daß die Academy Awards meistens aus politischen Überlegungen heraus und nicht nach künstlerischen Gesichtspunkten vergeben werden.