Review

Teilweise schonungsloser Kriegsfilm, der sich zwar nicht auf eine platte Antikriegsbotschaft einläßt, aber trotzdem dem Genre wenig wirklich Neues hinzufügt. Angefüllt mit durchweg hochqualitativen schauspielerischen Leistungen bezieht der Film einen Großteil seines Rufs aus der Anfangssequenz, die die Erstürmung des Strandes der Normandie am sogenannten D-Day beinhaltet.

Und mit diesem Pfund kann man auch wirklich wuchern. Mit den neuesten und hochentwickelsten technischen Neuerungen wirft Spielberg den Zuschauer mitten in die an den Strand stürmenden Soldaten und den damit verbundenen Kugelhagel, eine Orgie aus Projektilen, Explosionen und abgerissenen Gliedern, die ein für allemal mit dem Mythos aufräumt, die Invasion in Frankreich sei eine gut getimte und hervorragend organisierte Sache gewesen. Blut und Tod und wir sind mittendrin, das zieht natürlich hervorragend, auch wenn das Sujet des Erstürmens keinesfalls neu ist und schon in "Der längste Tag" ausgewalzt wurde. Technisch und atmosphärisch brilliant ist es auf jeden Fall.

Danach wird es zwar nicht peinlich, aber zunehmend gewöhnlich, denn wenn schon vor der Landungssequenz auf einem Soldatenfriedhof die US-Flagge im Wind weht, dann ahnen wir hier eine Sache der Ehre... und des Patriotismus. Und Spielberg liefert prompt. Zwar werden ordentlich Parolen in punkto Kriegsmüdigkeit, Sinnlosigkeit und Vermenschlichung des Feindes abgelassen, doch der Auftrag, der den Film anfüllt, ist patriotisch bis ins Mark und keine besondere Sache der Ehre. Schlichtweg hirnrissig die Idee (selbst wenn wir es Abe Lincoln, der die Idee verzapft hat, nicht wirklich übel nehmen können), ein halbes Dutzend Soldaten für diese Rettungsmission abzustellen, die dann auch noch bis auf wenige Ausnahmen alle dran glauben dürfen.

Da darf der titelgebende Charakter am Ende schon mal ein paar Tränen spenden, denn wenn man trotz der guten Absicht von so einer Aktion keinen Schuldkomplex fürs Leben weg hat, dann weiß ich es nicht. So steht denn auch zum Schluß der Greis am Grab des für ihn Gefallenen und fragt um Absolution, ob er denn nun alles richtig gemacht hat - für einen Europäer beinahe unerträglich und für Filmfreunde bekannter Spielbergkitsch.
Der große Meister ist besser geworden, wenn es um die Tarnung seiner Rührseligkeiten geht, aber ohne kommt er nicht aus und das wird auch so bleiben.

Was nicht bedeutet, es wäre nicht gekonnt inszeniert. Spielberg bringt uns den Krieg so dreckig, so abgefuckt und so unmenschlich nahe, wie ihn wohl nur diejenigen nachvollziehen können, die dabei waren. Und trotzdem erwacht der Film nie zum Leben. Die Soldaten der Gruppe, zwar gut besetzt, erwachen nie zum Leben, obwohl sie spezielle Typen darstellen sollen. Ihr Tod läßt dann auch dementsprechend kalt, bzw. löst eher Frust über den Sinn dieser Mission aus. Hanks ist ein bloßes Chiffre, der ein paar gute Szenen hat, aber keine Ausstrahlung, um den Film zu tragen. Und die Rolle des Deutschen ist tatsächlich so vorausberechenbar, daß man Til Schweiger beglückwünschen darf, sie abgelehnt zu haben.
Die Selbstjustizsequenz zum guten Schluß ist dann nur mehr die Fackel, die ins eh schon benzingetränkte Haus geworfen wird.

Bleibt also zum Schluß zwar kein Ärger, aber doch die Erkenntnis, daß Spielberg nicht aus seiner Haut kann. Dafür hat er die Gefechte schön hart inszeniert. Aber wenn ich den Sinn des Krieges und seine Begleitumstände kritisiert sehen will, dann bleibe ich doch bei "Die Brücke von Arnheim". Der ist zwar stärker zerfasert mit seinen vielen autarken Handlungssträngen, ersäuft aber nicht im ami-nötigen Pathos. Aber Attenborough ist ja auch Engländer. Akzeptabel, auch unterhaltsam, mit mehr soll man mir hier nicht kommen. (7/10)

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