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Der Soldat James Ryan oder Der Kampf des mutigen, stolzen und ehrlichen amerikanischen G.I. gegen den bösen, hinterlistigen und unehrenhaften deutschen Nazi-Soldat.

Von einer spielbergschen Verfilmung des D-Day-Themas war im Grunde nichts anderes zu erwarten, bedient Spielberg das US Publikum doch schon seit jeher mit dem Klischee-Bild des bösen Deutschen. Und so wundert es kaum das "Saving Private Ryan" unterm Strich ein Sud aus patroitischem US-Heldentum und triefendem Pathos bleibt der sich fernab der Realität und historischen Genauigkeit befindet.

War ich, wie wohl alle Kinobesucher, zu Beginn des Films noch angenehm überrascht und überwältigt von der Intensität der Bilder (Landung in der Normandie), so enttäuschter war ich über den Fortlauf der Geschichte, die nach und nach in bester Hollywood-Manier zum kitschigen Heldenepos mit zweifelhaften Änderungen des Verlaufs der Operation Overlord degeneriert und dem angestrebtem Anti-Kriegsfilm das Anti enzieht.

Der zeitgleich gelaufene "Der Schmale Grat" hatte da inhaltlich wesentlich mehr zu bieten. Alleine schon deshalb, weil er die Schrecken des Krieges und deren Auswirkungen auf die Psyche des Menschen von beiden Seiten der Frontlinie beleuchtete und auf den Patriotismus-/Pathos-Müll verzichtete. Leider mangelte es ihm im Gegenzug an der Action und Bildgewalt eines "James Ryan".

Wie auch immer. Von wirklich wertvollen (Anti-)Kriegsfilmen wie "Stalingrad", "Die Brücke" oder "Das Boot" ist Spielberg mit seinem "James Ryan" qualitativ weit entfernt und wurde in meinen Augen auch vollkommen zu unrecht mit Oscars überhäuft (während "Der schmale Grat" nahezu unbeachtet blieb).
Was unterm Strich bleibt sind fulminante 20 Auftakt-Minuten, die sich in ihrer grausam-realistischen Intensität fest in den Kopf einbrennen, und rund 80 Folge-Minuten, die man ganz schnell vergisst (und auch vergessen will).

4/10 Punkte

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