Aus Prestigegründen wird der Soldat Ryan im 2. Weltkrieg zum Politikum. Nachdem schon vier seiner Brüder im Feld ihr Leben ließen, beschließt die amerikanische Heeresleitung den letzten verbliebenen Sohn der Familie um jeden Preis heil nach Hause zu bringen. Zu diesem Zwecke entsendet man an der fernen Küste der Normandie einen Stoßtrupp Soldaten unter dem Kommando von Captain John Miller, der sich fortan auf die Suche nach Ryan machen muß. In den Wirren des Krieges und tobender Gefechte eine nahezu unmögliche Aufgabe, wie der tapfere Tross bald schmerzlich erfahren soll...
Welch bleibenden Einfluß der Film bei der Zuschauerschaft hinterlaßen hat, kann man alleine schon an seiner starken Einflußnahme auf die Medienwelt erkennen. Nahezu alle Kriegs- oder Antikriegsfilme der Neuzeit verwenden eine ähnliche, gedimmte Farbpalette und auch in punkto Kamera-Arbeit orientiert man sich heutiger Tage gerne und oft an diesem Werk. Selbst nicht wenige Videospiele (bsp.-weise die Reihe Medal of honour) bauen nahezu komplett auf diesem Vorbild auf. Mit Recht. Denn Spielberg hat hier einen detailverliebten Kultklassiker geschaffen, der diese Vorbildrolle in der Branche nicht von ungefähr inne hat. Die Storyline ist innovativ, gut durchdacht und führt die Protagonisten durch nahezu jedes Kriegsszenario des WW II, dass man als Fan des Genres schon immer einmal in solcher Realitätsnähe sehen wollte. Die Regie des versierten Altmeisters tat ihr Übriges, um das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute einzunehmen und mitfiebern zu lassen. In Zusammenarbeit mit etlichen Zeitzeugen und Veteranen wurde zudem auf größtmöglichen Detailgenauigkeit und Realismus geachtet und hätte jemand unter uns den Krieg einst miterlebt: Ich bin absolut sicher so wie hier dargestellt hätten wir ihn wohl auch erlebt.
Mit Hanks hat sich Spielberg zudem einen spielstarken Charakterdarsteller verpflichtet, der seine Rolle mit Bravour ausfüllt. Aber auch die übrigen Akteure wissen durch die Bank zu überzeugen, keiner von ihnen patzt, wirkt hölzern oder Fehl am Platze. Und auch in punkto Tricktechnik wird feinste Kost geboten. Da schlagen Kugeln links und rechts um die tapferen Alliierten ein Panzergranaten legen halbe Häuser in Schutt und Asche und alte Jagdflieger und Bomber röhren eindrucksvoll in Szene gesetzt durch die Lüfte. Um die Intensität und Relitätsnähe noch zu verschärfen, werden auch kaum Kompromisse in punkto Gewaltdarstellung gemacht. Zwar achtete man aus kommerziellen Gründen darauf ein "ab 16"er-Rating zu erlangen, die geschickte Kameraregie schaffte dieses jedoch auch ohne dem Zuschauer das Gefühl zu geben, hier hätte man auf irgendetwas verzichtet um BpjM & Konsorten zu Willen zu sein. Da sind Kopfschüsse keine Seltenheit, ein unglücklicher Scharfschütze wird ironischerweise durch sein eigenes Zielobjektiv erschossen und am "Omaha-beach" baden die Amerikaner förmlich im Hämoglobin. Wie es damals eben auch war. Gewalt ist hier kein Selbstzweck, sie ist nur schlicht und einfach Teil der realistischen Darstellung der Weltkriegsereignisse.
Mit gespaltenen Gefühlen kann, ja muß man gerade als Deutscher, allerdings die hier vermittelte Botschaft betrachten. Denn es ist nun einmal Fakt, dass Spielberg Jude ist und sich in den etlichen Jahren seiner Profession immer wieder berufen zu fühlen schien und scheint, unser Volk als fast durch die Bank böse darzustellen. Durch die Herangehensweise der Regie stehen die Deutschen durchweg in denkbar schlechtem Licht. Durch Spielbergs Kameraauge werden sie durchgehend zu hinterhältigen Bestien, ruchlosen Mördern die man hassen soll. Und der Filmemacher weiß auch, auf welche Knöpfe man beim Publikum drücken muß, um es diese Sichtweise teilen zu lassen. Ein Einblick in die Sicht der deutschen Seite und dass auch diese an der Front vorwiegend nur aus Befehlsempfängern bestand, die lediglich wie alle Soldaten versuchten mit heiler Haut wieder aus dem unfaßlichen Konflikt hervorzugehen, bleibt aus. Stattdessen dürfen die Deutschen hier, wie so oft in amerikanischen Filmen, die Paradevillains geben. Aber wie gesagt, dass ist Usus in Hollywood und funktioniert für den Film bestens. Denn mit so richtig bösen Feinden stehen und fallen nunmal auch die Helden. Solange man sich eine objektive Sicht bewahrt, Fiction und Darstellung noch von Realität zu trennen versteht, kann man auch diesen Malus problemfrei verschmerzen.
F A Z I T :
Was wollen wir noch lange herumreden. Saving private Ryan ist ein Meisterwerk der Kriegsfilmgeschichte, dass die Zeit überdauern wird und zu Recht bereits heute Kultstatus genießt. Denn hier stimmt einfach alles. Die Geschichte ist durchdacht, die Präsentation realistisch und eindrucksvoll. Wer ersteinmal vor diesem Film sitzt, der wird von ihm auch bis zur letzten Minute gefesselt werden. Ein tadelloses Stück Filmgeschichte das jeder, der sich für die Materie auch nur im geringsten erwärmen kann, unbedingt im DVD-Regal stehen haben sollte. Lediglich die deutschen Frontsoldaten werden mir hier etwas zu unmenschlich dargestellt und zu wenig beleuchtet, so dass sie zwar als perfekte Villains funktionieren, nie aber als Menschen gezeigt werden. Nur aufgrund dieses kleinen Makels schrammt der Film knapp an der magischen Zehnermarke vorbei und erreicht in meiner Gunst dennoch starke 9 von zehn Punkten.