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Steven Spielberg (Indiana Jones, Jurassic Park) lässt das Antikriegsdrama wieder auferstehen, inszenatorisch brillant, ansonsten etwas hanebüchen. Auch kann sich der Gute einfach nicht vom üblichen Pathos fernhalten. Um jeden toten Kameraden wird ausgiebig getrauert, inklusive Heulanfälle, die Flagge ist oft im Bild und man befolgt jeden Befehl ohne Zweifel, sei er auch noch so hirnrissig. So schickt man dann eine Achtergruppe unter Captain John Miller (Tom Hanks) los, um den Soldaten James Francis Ryan (Matt Damon) zu finden, dessen drei Brüder im Krieg fielen. Es will mir einfach nicht in den Schädel, dass acht wirklich gute Soldaten verbraten werden, nur um einen Einzelnen zu finden. So oft handelte man unüberlegt, verheizte massig Soldaten, eigentlich passt dieser Auftrag in die traurige Kriegszeit der Amerikaner. Klingt für mich aber trotzdem übertrieben. Immerhin hinterfragen die Soldaten öfters ihren Auftrag, um dann später alle den Heldentod zu sterben. Spielberg hält ein wenig dagegen, lässt auch die amerikanischen Soldaten einige Kriegsgefangene skrupelos ermorden. Doch ansonsten bleibt er im üblichen Klischeerahmen. In den Konversationen geht es meist um pubertäre Themen, dann drückt man wieder auf die Tränendrüse. Ein neues Teammitglied wird erst gehänselt und dann schließlich als Freund aufgenommen. Spielberg wagt sich aus dem Schema einfach nicht richtig heraus. Die Charaktere sind leicht durchschaubar und flach. Trotzdem sieht man sie nicht gerne ins Gras beissen und Spielberg schickt hier wirklich alle in den Tod, sei der Charakter auch noch so sympatisch. Mit Tom Hanks, Tom Sizemore, Vin Diesel, Barry Pepper, Edward Burns und Matt Damon ist "Der Soldat James Ryan" nicht nur prominent, sondern auch hochwertig besetzt.

Kommen wir zur starken Seite dieser 70 Millionen Dollar Produktion und die ist ganz alleine Spielberg zu verdanken. Seine Kriegszenen gehen durch Mark und Bein und zwar nicht nur wegen ihrer Schonungslosigkeit. Gerade die Eröffnungssequenz, welche die D-Day-Invasion am Strand zeigt, könnte besser und härter nicht in Szene gesetzt sein. Ganz besonders hier sieht man die schlechten Vorbereitungen. Schon bevor man einen Fuss aus dem Boot setzt, werden massig Soldaten zusammengeschossen und auch die Bewaffnung lässt schwer zu wünschen übrig. Da das Gelände zu uneben ist, haben Panzer keine Chance. So müssen hunderte von Soldaten grausam sterben, nur um einen kleinen Posten zu erobern. Dank Janusz Kaminskis Kameraführung meint man, man wäre immer mittendrin. Allein diese zwanzigminütige Sequenz machte den Film populär, so ausgiebig geht es dann erst wieder im Finale zu. Vorher kann Spielberg kleinere Längen nicht ganz vermeiden und die Gruppe hat nur kleinere Konflikte während ihrer Suche zu bestehen. Da dürfen auch einige Streitereien untereinander nicht fehlen. Die Kulissen wirken dabei immer authentisch und ungemütlich, der Score von John Williams ist mir manchmal zu sehr mit Pathos getränkt.

"Der Soldat James Ryan" verfehlt seine Wirkung nicht und ist von Spielberg hart und ebenso brillant in Szene gesetzt. Nebenbei darf man sich auf eine hochwertige Darstellerrige freuen. Doch die üblichen Klischees, massig Pathos und eine schwache Story sind nicht zu leugnen.

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