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Nachdem er am D-Day am Omaha Beach viele seiner Männer verlor, bekommt der amerikanische Captain Miller, gespielt von Tom Hanks, den Auftrag einen gewissen James Ryan, gespielt von Matt Damon, von dem niemand genau weiß, ob er noch lebt und wo er sich befindet, aufzuspüren, da er seine drei Brüder im Krieg verloren hat und zum Trost der Mutter nun die Heimreise antreten darf. Die Suche im Kriegsgebiet erweist sich jedoch als schwieriger als gedacht.

6. Juni 1944, Omaha Beach. Die Amerikaner Versuchen den Landstrich einzunehmen, doch noch bevor sie ihre Boote verlassen haben, erwartet sie bereits der Tod. Das Gegenfeuer der, in Bunkern und anderen Befestigungen verschanzten deutschen Soldaten ist heftiger als gedacht, unter Dauerbeschuss sterben im Sekundentakt amerikanische Soldaten. Hektisch geschnittene Handkamera, ein Höchstmaß an Authentizität und Realismus, perfekt fotografiert. Ein Kriegsszenario, das zutiefst verstört. Aufnahmen von verstümmelten, verbrannten, erschossenen amerikanischen Soldaten, im Sekundentakt sind Explosionen zu sehen und wenn es nicht Tom Hanks wäre, der mit seiner Mannschaft versucht tiefer in die deutschen Stellungen vorzurücken, könnte man meinen, es wären Echt-Aufnahmen, die mit ihrem hohen Maß an Brutalität unbeschönigt und erschütternd die Fratze des Krieges enthüllen und noch tiefer verstören als alle vorangegangenen Kriegsfilme wie "Apocalypse Now", "Die durch die Hölle gehen", "Platoon" oder "Wege zum Ruhm".

Von wem mag dieses Meisterwerk wohl stammen? Oliver Stone, Ridley Scott oder Stanley Kubrick? Nein, es ist Steven Spielberg, dem Regisseur, der sich mit "E.T.", "Der weiße Hai", "Jäger des verlorenen Schatzes" und "Jurassic Park" eigentlich einen Namen mit Blockbustern machte, mit dem Kriegsdrama "Das Reich der Sonne" seinen größten finanziellen Flop gelandet hatte und lediglich mit "Schindlers Liste" einen künstlerisch wertvollen Film abzuliefern vermochte.

Und auch nach seinem sensationellen Anfang setzt Spielberg den Film gelungen fort. Die Handlung setzt ein und schnell stellt sich für Miller und seine Truppe die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, das Leben des gesamten Teams zu riskieren, nur um einen Soldaten zu retten, der zufällig drei Brüder in verschiedenen Schlachten verloren hat und diese Frage nach dem Sinn und Unsinn der Operation, zwischen denen vor allem Miller hin- und hergerissen ist, was den Englischlehrer schließlich an seine psychischen Grenzen stoßen lässt, nachdem er seine physischen schon erreicht hat, man denke nur mal an das Zittern seiner Hände, sind es, die Spielberg feinfühlig und tiefsinnig behandelt, womit "Der Soldat James Ryan" noch einmal ganz neue Ansätze ins Kriegs-Genre einbringt. Gerade mit dieser Figur, die Spielberg so gelungen konstruiert, liefert er enorm tiefe Einblicke in den zweiten Weltkrieg, die sich aber ohne weiteres auf andere Kriege übertragen lassen. So scheint Miller bereits früh zu ahnen, dass er nie wieder zurück nach Amerika kehren wird und zerbricht allmählich daran, dass immer mehr Soldaten unter seinem Kommando den Tod finden. Da stört es auch nicht weiter, dass die übrigen Soldaten die typischen Klischees ausfüllen, wobei sie alle realistisch und sympathisch genug gestrickt sind, um den emotionalen Zugang des Zuschauers zum Film zu gewährleisten. Die Handlung als solche ist ebenfalls gut gelungen, ist nicht vorhersehbar und treibt Spannung und Dramatik zum Ende hin geschickt auf die Spitze.

Inszenatorisch ist Spielbergs Arbeit auch nach dem Start makellos, wobei er natürlich mit Kameramann Janusz Kaminski und Michael Kahn als Cutter, die schon bei "Schindlers Liste" mitwirkten ein sehr gutes Team an seiner Seite hatte. So ist auch die Filmmusik von John Williams, die durchaus eine emotionale Atmosphäre kreiert, hervorragend gelungen. Im Mittelteil stellt Spielberg auf mehreren Stationen, die die Soldaten erreichen, die Schrecken des zweiten Weltkrieges gelungen dar und bleibt dabei zu jedem Zeitpunkt glaubhaft und authentisch. Die Landschaften der Normandie (wobei der Film eigentlich auf Irland gedreht wurde) sind hervorragend in Szene gesetzt und mit der merkwürdig farblosen Gestaltung wirkt der Film so trostlos und surreal. Schnitzer leistet sich Spielberg, die eine oder andere kleine Länge mal ausgenommen, dabei überhaupt nicht, und steigert die Dramatik zum Ende hin konstant.

Das Finale ist, wie der Anfang, ebenfalls perfekt und schonungslos inszeniert, mit dem Unterschied, das das Geschehen noch dramatischer gestaltet ist, da die Charaktere mittlerweile tiefer konstruiert wurden und man als Zuschauer so einen wesentlich emotionaleren Zugang zum Geschehen hat. Das Ende verstört anschließend durchaus und lässt einige Fragen offen. So bleibt vor allem die Szene im Kopf in der James Ryan schließlich auf dem Soldatenfriedhof zusammenbricht und seine Frau fragt, ob er ein gutes Leben geführt habe, ob es das Opfer wert war, dass Miller und seine Männer gebracht haben und eben hier ist der Moment erreicht, in dem Spielberg den Zuschauer mit diesen Eindrücken und Fragen allein lässt.

Der Cast, den Spielberg zur Verfügung hat, ist ebenfalls hervorragend besetzt. Tom Hanks, hier nach seinen Meisterleistungen in "Philadelphia", "Forrest Gump" und "Apollo 13" zu sehen, spielt den, zunehmend an seine Grenzen stoßenden Captain Miller hervorragend, stellt diesen in allen Situationen, im Kampf, in Trauer oder auch in den wenigen tröstlichen Momenten perfekt dar, womit er sich seine Oscar-Nominierung redlich verdient hat. Es wäre unfair beim übrigen Cast einen Darsteller besonders herauszustellen, denn wirklich alle brillieren. So überzeugt Matt Damon nach "Good Will Hunting" als pflichtbewusster James Ryan auf ganzer Linie, Edward Burns zeigt als Hitzkopf, der die Operation von Anfang an als sinnlos abtut die beste Leistung seiner Karriere. Tom Sizemore, der später in "Pearl Harbor" und "Black Hawk Down" erneut in Kriegsfilmen zu sehen sein sollte, ist kantig aber sympathisch, Vin Diesel meistert seine erste größere Rolle souverän und Barry Pepper zeigt als todernster Scharfschütze neben "The Green Mile" eine der besten Arbeiten seiner Karriere.

Fazit:
"Der Soldat James Ryan" ist mit seinen schonungslosen, brutalen und verstörenden Schlacht-Sequenzen und der gelungenen Charakterkonstruktion der Hauptfigur, sowie dem grandiosen Cast, in dem vor allem Tom Hanks brilliert, ein erschütterndes Kriegsdrama, das auf ganzer Linie überzeugt und zutiefst verstört. Neben "Schindlers Liste" Spielbergs beste Arbeit, absolut empfehlenswert.

95%

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