Eins muss man dem Film lassen: Die Inszenierung ist erstklassig. Schon die berühmten ersten 20 Minuten mit der Erstürmung des Strandes der Normandie sind ein wahres Feuerwerk an Effekten. Auf verblüffend realistische Weise fühlt man sich als Zuschauer durch verwackelte Kameraeinstellungen nahezu selber mitten im Geschehen. Es scheint, als gäbe es kaum eine Chance dieser Hölle zu entfliehen ohne eine Kugel abzubekommen.
Die Bilder, die einem geboten werden, sind teilweise schockierend und nichts für zart besaitete Seelen. Denn egal ob ein Soldat schreiend neben seinen Gedärmen liegt oder ein anderer seinen Arm irgendwo am Strand aufsammelt, der Härtegrad bleibt in diesen ersten Minuten stets hoch, um die Hässlichkeit des Krieges zu verdeutlichen. Auch wenn "Der Soldat James Ryan" fast nur berühmt für diese schockierenden Anfangssequenzen ist, so geht es auch im weiteren Verlauf nicht gerade zimperlich zu.
Unpassend bei der Erstürmung des Strandes ist aber dennoch eine Szene. Und zwar wird ein Soldat am Helm getroffen. Daraufhin nimmt er ihn unter Schock ab und ein anderer Soldat macht noch eine Bemerkung, wieviel Schwein er doch gehabt hätte. Im nächsten Augenblick trifft denjenigen, der zuvor den Helmtreffer einstecken musste, dann doch eine Kugel im Kopf. Tut mir leid, aber so etwas wirkt unfreiwillig komisch und ist deshalb hier nicht angebracht.
Hat auch der Zuschauer staunend über die technischen Meisterleistungen das Dauerfeuer überstanden, erinnert er sich doch ruhig nochmal an die ersten Bilder des Filmes, in denen die amerikanische Flagge posiert. Denn die Befürchtung hier auf eine Story gespickt mit purem Patriotismus zu stoßen, bewahrheitet sich mehr und mehr. Es wird eine mehrere Mann starke Truppe losgeschickt, um den Soldaten James Ryan zu retten, weil dieser seine drei Brüder verlor. Wenn das nicht einmal wieder typisch amerikanisch ist?
Natürlich überleben nicht viele die sinnlose Mission und am Ende werden wieder bittere Tränen geheult. Abschließend herzergreifende Szenen, in denen Opa Ryan noch einmal am Massenfriedhof vor den Gräbern hockt und mit sich selbst spricht und der amerikanische Mainstreamer hat seine Seele gereinigt und ist zufrieden. Wenn die Story nicht so dumm wäre, würde ich mit diesem harmonischen Schluss leben können, aber hier bringt er den patriotistischen Kessel endgültig zum Überkochen. Absolut übertrieben quillt rot-weiß gestreifter Schleim mit Sternen aus allen Ecken und Kanten. Kaum auszuhalten...
Wo die großen Filme wie "Apokalypse Now" oder "Platoon" Tiefgründigkeit zeigen, präsentiert "Der Soldat James Ryan" nur die obligatorische Menschlichkeit. Die Gefühle eines Soldaten werden nur sehr oberflächlich behandelt. Dass man fast nur mit Hilfe von Schockmomenten versucht, dem Zuschauer das Grauen des Krieges zu zeigen, kann nicht das einzige Mittel eines solchen Filmes sein.
Tom Hanks hat im Film seine guten Passagen, kann aber auf keinen Fall immer glänzen. Ebenso ist der Rest der Darstellerriege einzuschätzen, der sich sichtlich Mühe gibt, aber nie wirklich in Regionen der Höchstnoten spielt.
Fazit: Für die erstklassige Inszenierung mit samt der tollen Kameraführung und den verblüffend realistischen Effekten müsste man schon fast 10 Punkte springen lassen. Die ganze Handlung hätte dafür aber nicht mehr als 3 Pünktchen verdient. Die goldene Mitte sind noch aufgerundete 7/10 Punkten.