Technisch ist "Der Soldat James Ryan" wohl einfach nur als perfekt zu bezeichnen. Regie, Kamera und Sound wurden absolut zu Recht mit dem Oscar ausgezeichnet und auch die darstellerischen Leistungen sind solide. Auf der inhaltlichen Seite kann Spielbergs Kriegsfilm da aber leider nicht mithalten.
Dass Steven Spielberg vom amerikanischen Verteidigungsministerium mit der höchsten Auszeichnung, die ein Zivilist bekommen kann, geehrt wurde, lässt wohl schon erahnen, dass es sich hier nicht um einen Anti-Kriegsfilm handelt. Es fällt schwer ihn bei der realistischen Darstellung von Brutalität und Angst, vor allem in den ersten 20 Minuten, als tatsächlich kriegsverherrlichend zu bezeichnen, aber Heroismus, Patriotismus und Kitsch, die den Film durchziehen, lassen keinen Zweifel an der Aussage aufkommen, dass Kriege keineswegs immer sinnlos sind sondern auch heldenhaft und gerecht sein können. Als hätte es nicht schon gereicht, für diese Message den Kampf gegen Nazideutschland zu nehmen, setzt Spielberg noch einen drauf: Eine Einheit wird losgeschickt um einen einzigen Soldaten zu retten! Besser hätte es ein Army-Werbespot wohl auch nicht hinbekommen!
Zwischendurch wird sich zwar auch Mühe gegeben, Raum für die Gedanken und Emotionen der Soldaten zu lassen, aber auch hier wird von Überlegungen, die in eine pazifistische Richtung gehen oder den Zuschauer zum Nachdenken anregen könnten, Abstand genommen. (Genau genommen nimmt Spielberg in jedem seiner Filme Abstand davon, seine Zuschauer zum Nachdenken anzuregen, aber das ist ein anderes Thema).
So bleibt "Der Soldat James Ryan" insgesamt doch recht flach und es bleiben von den gut 2 1/2 Stunden Laufzeit vor allem die grandios inszenierten Kriegsszenen hängen. Um dieses Werk als einen wirklich herausragenden Film zu bezeichnen reicht das leider nicht.