„Der ultimative Anti-Kriegsfilm“ hiess es als damals „Der Soldat James Ryan“ in die Kinos kam. Dem entsprechen habe ich doch einiges erwartet. Leider wurde nur das wenigste davon auch erfällt.
Dabei geht es doch so gut los. Nachdem wir den alten Opa am Veteranenfriedhof zusammenbrechen sehen geht es direkt in eines der Landungsboote, welches sich nur wenige Meter noch von den Stränden der Normandie am D-Day entfernt ist. Die Atmosphäre ist „schrecklich gut“. Man kann die Anspannung und Angst der Soldaten fast mitfühlen. Und dann geht’s los...
In der Sekunde in der die Luken sich senken beginnt das grösste Gemetzel das man bis dahin in einem Hollywoodfilm sah. Es werden unzählige Soldaten erschossen, zerfetzt oder schlimmeres. Die Kamera lässt es so wirken als sehe man das Geschehen aus den Augen einer dieser Soldaten. Es ist nicht unverständlich das bereits hier einige Zuschauer das Kino verliessen, da das dargebotene einfach schrecklich ist. Es handelt sich halt nicht um Splatter wie Braindead, sondern um einen Gewaltgrad der absolut realistisch erscheint. Ich gebe hiermit offen zu: Mir wurde übel.
Nach ca. 20 Minuten wird man dann erlöst. Na ja.. Zumindest von diesem Gemetzel. Leider geht nun der Film bergab. Nun entwickelt sich eine Story die einfach unglaubwürdig ist. Ein Trupp von Soldaten soll hinter feindlichen Linien einen verschollenen Soldaten finden, damit er Heim kann. Klingt komisch, is aber so. Mal ehrlich... ist es nicht taktisch EXTREM unklug einige seiner besten Männer in den sicheren Tod zu führen, damit 1 (in Worten EIN) einziger nach Hause kann?
Na ja... dann hoffen wir mal das aus der flauen Story durch tiefgründige Figuren noch was wird. Ätsch... die Hoffung ist umsonst. Man wird mit klischeebeladenen Figuren auf die Reise geschickt. Da wäre der weise Anführer, der mit seinem Schicksal hadert (Tom Hanks zu dem ich später noch mal was sagen werde), der unerfahrene Schreiberling, der alte Haudegen (Tom Sizemore) und ein Haufen Idealisten. Einzig der Scharfschütze (gespielt von Barry Pepper) konnte bei mir Sympathien erwecken, und dem entsprechend ist er der einzige mit dem ich wirklich „mitgelitten“ habe (leider auch nur in Light-Version). Während der Landung in der Normandie gab es ja erfreulicherweise auch Amis die sich unmenschlich verhielten, worauf meine Hoffnungen stiegen, das der Streifen darstellt das es auf beiden Seiten Monster gab. Tja... aber natürlich nicht in Spielbergs Heldentrupp. Das sind alle GANZ GANZ vorbildliche Soldaten.
Aber der böse und von Natur aus böse Deutsche wird natürlich gezeigt. Er bettelt um sein Leben, das ihm dann auch geschenkt wird, doch später im Film trifft man ihn wieder und er fällt Hanks und Co in den Rücken. GANZ TOLL! Was ist die Aussage hinter diesen Szenen? Man könnte ja mal zeigen das es auch Deutsche gab, die litten und menschlich waren, aber Spielberg bedient lieber das Klischee des menschlichen Monsters (für ihn anscheinend der typische Deutsche um 1940 rum).
Ok.. weiter im Text. Der Trupp gerät in verschiedenste Situationen und wird nach und nach dezimiert. Das einzige was hin und wieder noch mal zu gefallen weiss sind einige Natur- und Momentaufnahmen.
Auch die Finale Schlacht in der Hanky, seine Gang und einige andere Soldaten eine Brücke zu verteidigen versuchen kommt nicht noch einmal an die dramatische und schockierende Wirkung der Anfangsszenen heran. Sie wirkt irgendwie wie aus einem (sehr harten) Actionfilm und weiss einfach nicht mehr wirklich emotional zu fesseln.
Schallendes Gelächter brach aus als Hanks mit einer Pistole einen Panzer zum Explodieren bringt. Klar es sah nur so aus, denn genau in dem Moment als er schoss viel eine Fliegerbombe auf das olle Ding. Das hätte man auch weniger „popcornkino-like“ inszenieren können, obwohl es zu diesem Zeitpunkt nur ein Tropfen auf den heissen Stein gewesen wäre.
Nun zu den Schauspielern:
Tom Hanks ist sicher nicht untalentiert, aber man kauft ihn nie den Soldaten ab, auch wenn man erfährt das er im zivilen Leben Lehrer ist. Die Figur ist sicher auch zu flach um glänzen zu können. Gleiches gilt für Sizemore nur noch extremer. Er ist der harte Hund der immer irgendwie blöde rumlabert.
Jungstars Vin Diesel und Giovanni Ribisi haben nur kurze Auftritte und können in den wenigen Minuten auch nicht überzeugen. Matt Damon war für mich die grösste schauspielerische Enttäuschung. Der Kerl hat Talent, doch was er hier zeigt grenzt an Arbeitsverweigerung. Er beschränkt sich auf das Darstellen eines Sunnyboys mit Tendenzen zum Softie.
Lichtblick ist Barry Pepper. Seine Darstellung des Scharfschützen Jackson wirkt mit Abstand am glaubwürdigsten. Er wirkt gestresst, geschlaucht aber doch kontrolliert bis zu dem Punkt an dem er dann den entscheidenden Fehler macht.
Generell kann ich nur sagen das es schade ist, das ein eigentlich guter Cast derartig blass bleibt.
Fazit:
Sicher nicht der ultimative Kriegsfilm. Zu deutlich sind die Defizite in den Bereichen Story, Figuren(entwicklung), Schauspielerei und Dramatik.
Einzig und allein an der Schlacht auf Omaha Beach kann ich nichts meckern. Geringe Pluspunkte gibt es auch für schöne Szenenübergänge (Regentropfen), sowie einiger toller Bilder. Ohne den Hype hätte ich vielleicht 1-2 Punkte mehr gegeben... VIELLEICHT !!!
3 von 10 Punkten (2,5 alleine wegen Omaha Beach)