"Der Soldat James Ryan" ist knallhart, aufwühlend, gnadenlos, etwas was man so noch nie gesehen hat - dumm nur, dass die erste Halbe Stunde irgendwann mal vorbei ist, und sich der Film dann als das entpuppt was man befürchtet hat: Ein typischer Steven Spielberg Film, der mit reichlich Pathos und "Was sind wir Amis doch für tolle Kerle" Romantik angereichert wurde.
Man bekommt nach dem Ansehen irgendwie den Eindruck, dass man so eben zwei Grundverschiedene Streifen gesehen hat. Der eine ein 30 minütiges Mahnmal dafür, wie grausam, gnadenlos, unbarmherzig und unmenschlich Krieg ist. Und das fiese daran ist, dass Spielberg den Zuschauer nicht außen vor lässt, er zerrt ihn mitten rein in die Landung am Omaha Beach am D-Day, der eine erste Vorentscheidung im Verlauf des 2. Weltkriegs bringen sollte. Die Kugeln fliegen nur so um einen herum, Männer schreien, beten, halten ihre Gedärme. Das Meer färbt sich rot vom Blut der Gefallenen. Das Alles zeigt Spielberg mit wackligen Handkamerabildern, die auch nicht ausblenden wenn es grausam und brutal wird. Jede Sekunde dieser ersten Szenen tut weh, macht klar das es hier nur Verlierer gibt, auch wenn einige überleben werden. Immer wieder kann man unter den dreckigen, schmerzverzerrten und ängstlichen Soldaten bekannte Gesichter ausmachen; Tom Hanks, Tom Sizemore, Vin Diesel ist auch dabei, Edward Burns, Giovanni Ribisi und auch Berry Pepper, alle(von Sizemore und Hanks natürlich abgesehen) damals noch weitestgehend unbekannt. Sie alle schlagen sich über den endlos erscheinenden Strand. Diese erste Phase des Films ist grandios gefilmt, atemberaubend in Szene gesetzt und damit das genaue Gegenteil von dem was man in den restlichen 2 Stunden präsentiert bekommt.
Da ist zunächst einmal der absolut schwachsinnige Auftrag für Haks und seine Truppe. Sie sollen einen einzelnen Soldaten ausfindig machen, dessen drei Brüder im Krieg gefallen sind, damit er nach Hause darf. Sorry, aber so einen Schwachsinn hab ich ja schon lange nicht mehr gehört. Da wird das Leben von 8 Soldaten aufs Spiel gesetzt, nur um einen anderen zu retten, der unter Umständen gar nicht mehr lebt? Na ja. So machen sich also Hanks und seine Soldaten auf und suchen den Soldaten, der aussieht wie Matt Damon und am Ende gar nicht weg will, sondern lieber mit den "ihm verbliebenen Brüdern" kämpfen will. Das machen sie dann am Ende auch alle, sie kämpfen um eine Brücke und dezimieren nochmal kräftig den Cast. Bis es aber soweit ist, sehen wir die lustige Truppe dabei wie sie durch die Gegend latscht, Ted Danson trifft, einen Deutschen rettet (was sich schon immer als fatal erwiesen hat) und 2 ihrer Kameraden verliert. Unterbrochen wird das immer mal wieder von kurzen Aufeinandertreffen mit dem Feind, die dann in schön gefilmten Actionszenen gipfeln, die zwar durchaus hart inszeniert sind, aber das kriegsverachtende Anfangsbild dann doch erheblich abwerten, denn hier wird Krieg dann einfach nur als gute Action inszeniert.
Überhaupt wirft Spielberg mit diesem zweiten teil des Film alles was er am Anfang beim Zuschauer erreicht hat wieder über den Haufen. Da werden die Soldaten als nette Jungs gezeigt, die schon auch mal Probleme damit haben einen Gegner zu erschießen oder sich gegenseitig auf den Arm nehmen und ähnliches. Sieht alles eher nach Abenteuerspielplatz als nach Krieg aus. Was soll das also? Will Spielberg uns erst zeigen, das Krieg scheiße ist und versucht danach zu sagen "och, so schlimm ist das alles gar nicht, außerdem sind wir doch Amerika, wir opfern lieber 8 Leute die alle Familie haben nur um einen Anderen zu retten, ja so gut sind wir!".? Wirkt auf jeden Fall sehr seltsam auf mich, wie sich die Story entwickelt.
Die Darsteller sind bemüht, aber insbesondere Tom Hanks bleibt doch erstaunlich blass, gut er darf ab und an mit seiner Hand zittern und hat auch eine Szene in der wir ihn weinen sehen, aber der Rest sieht doch recht lieblos aus. Vin Diesel fällt kaum auf und Tom Sizemore war auch schon deutlich besser. Erfreulich, das mit Giovanni ribisi und Edward Burns wenigstens zwei Darsteller dabei sind, die sich sichtlich reinhängen und dann auch am ehesten mit interessanten Charakterisierungen aufwarten können. Auch wenn diese Ausbrüche aus der lustigen Wandergemeinschaft doch eher nur kleine Strohfeuer sind. Aber man wird sehr genügsam wenn man Spielberg Filme schaut.
Eigentlich hat dieser Film zwei Wertungen verdient. Da gibt es zunächst einmal eine glatte 10 von 10 Punkten für die ersten 30Minuten, die man gesehen haben muss, denn sie zeigen den Schrecken des Krieges in einer unglaublichen Intensivität. Für die restlichen 2 Stunden gibt es dafür leider nur 4 Punkte, für einen netten Kriegsactionfilm, der aber absolut nichts neues bietet und trotz einiger Spannung eben doch nur einer von vielen Filmen dieser Art ist. Zu dem wurde das ganze wieder mit viel zu viel Patriotismus und Pathos angereichert, aber das kennt man ja so aus den meisten US Kriegsfilmen. Gesamt gibt es 6 Punkte und den Hinweis am besten nach 30 Minuten abzuschalten, denn das "Beste" hat man dann bereits gesehen.