kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 05.01.2013
Jim Jarmusch liefert hier seinen ersten wirklich durchkomponierten Film ab. Nach "Permanent Vacation" wiederum komplett und schmutzigem Schwarzweiß gedreht, stimmt diesmal die Dauer und Auswahl der Szenen und Dialoge fast auf den Punkt. Folglich wird auch die Aussage präziser: "Stranger In Paradise" zeichnet Jarmusch als jemanden aus, der Amerika als "Salad Bowl" wahrnimmt, ein Zusammentreffen unterschiedlichster Kulturen, die nicht alle unter dem großen, gelben "M" fusionieren wollen, sondern ihre kulturellen Eigenarten behalten und damit auch als Außenseiter dastehen können. Für Eva, die aus Ungarn nach Amerika kam und zweifellos im Filmtitel beschrieben wird, trifft dies zu: Sie fühlt sich fremd in dem Land, auch nach dem für Jarmuschs Arbeiten später obligatorisch gewordenen Wechsel der Stadt, welcher meist auf das gleiche Ergebnis hinausläuft (Zitat: "Ist dir eigentlich aufgefallen, dass alle Städte irgendwie gleich aussehen?"). Die freundschaftlichen Zuneigungen zwischen ihr und ihrem Cousin bzw. dessen bestem Freund bringen in diesem Kontext eine ganz besondere Aussagekraft hervor, zumal ihr Cousin jemand ist, der versucht, sich an das Leben in Amerika anzupassen (da er darauf bedacht ist, Englisch zu sprechen und nicht Ungarisch), obwohl es ihm nie ganz zu gelingen scheint. In Bildern, die der Fotografie ähnlich sind, beschreibt Jarmusch also auf beeindruckende Weise die Anpassungsprobleme an ein Land, das keine echten, eigenen Ursprünge zu haben scheint, und damit eine gewisse Heimatlosigkeit bzw. Fremde der Figuren; selbst jener, die seit langer Zeit im Land leben.
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