Review

Zuerst mal ein kleines Gebet in stillem Angedenken an den Mann, der vor Urzeiten so herrliche Filme wie "Gremlins" oder "Goonies" schrieb und es schaffte, der Harry-Potter-Filmreihe zumindest einen guten Start zu verschaffen: Chris Columbus.
In diesen Mann hatte man ja so manche Hoffnung gesetzt und auch wenn er mit den zwei Kevin-Filmen dem Blockbuster schon den Geschmack und die Qualität ausgetrieben hat, scheint er damit trotzdem vielermanns Lieblingsfilme gedreht zu haben.
Aber sein Timing für Gefühl und Comedy sind ihm leider schon lange abhanden gekommen, wie schon geradezu furchterrgend schlechte Filme wie "Nine Month" oder der unsägliche "Stepmom" bewiesen. "I love you, Beth Cooper" ist dann jetzt seine Grabsteininschrift - da soll noch jemand sagen, John Hughes hätte zu früh aufgehört.

Anschließend möchte ich minimal Abbitte leisten: ich hab mich schon hundertfach über das überflüssige Maß an Titten-, Herpes- und Spermajokes in amerikanischen Teeniekomödien ausgelassen und noch öfters über das geschmacksneutralisierte Infantilpublikum, daß so etwas bejubelt - aber in diesem Fall hätte ich mir ja fast mal einen Grossout-Ausfall gewünscht.

"Beth Cooper" ist ein geradezu infernalischer Film geworden, nicht im Sinne von schlechter Unterhaltung oder geschmacklicher Entgleisung, sondern von inhaltlicher Redundanz und überwältigender Langeweile, Überflüssigkeit und Abgeschmacktheit.

Leider liest sich das auf dem Papier noch halbwegs brauchbar: Nerd gesteht auf dem High-School-Abschluß vor seinem Jahrgang der Schulschönheit seine Liebe und macht gleich noch ein paar Klischeefiguren nieder, weswegen seine anschließende Privatparty natürlich zu einer Dauerflucht ausartet.
Daraus kann man was machen, wenn alles stimmt (so ähnlich tickte z.B. Hughes wunderbarer "Weird Science", an dem fast alles stimmte), geschieht hier aber nicht. Hier stimmt nur eins: Hayden Panettiere als Beauty-Queen sieht niedlich aus. Aber wer das will, kann auch "Heroes" schauen.

Ganz detailreich aufzuschlüsseln, was alles falsch läuft hier, würde vermutlich ein Buch füllen, aber am signifikantesten ist vermutlich der Hauptdarsteller: Paul Rust muß einen Trottel namens Denis spielen. Denis soll ca. 17 Jahre alt sein, nur ist Paul Rust leider schon 28 und sieht darüber hinaus wie 34 aus. Und er sieht doof aus.
Man verzeihe mir die Sandkasteneinordnung, aber selbst Nerds haben für den Publikums-Appeal wenigstens einen Hauch niedlich oder bedauernswert auszusehen, damit man sie irgendwie in ihr Herz schließt, aber Rust hat eine Hakennase, läßt ständig semi-debil den Mund offen stehen und benimmt sich unsäglich nervtötend. Damit erreicht der Realismus in Sachen Nerds vielleicht endlich das filmische Ufer, aber was soll man mit einem Protagonisten, dem man auch wirklich alles gönnt, was ihm zustößt und noch viel Schlimmeres. "Denis" ist ein extremer Trottel, der dank des imbezilen Drehbuchs bis zur letzten Szene aber absolut gar nichts allein hinbekommt, selbst der Sieg über die Muskeljungs verdankt er zu 100 Umdrehungen seinem Kumpel Rich - was es noch irritierender macht, daß Schul-Uschi Beth ihn dennoch irgendwie nett findet. Einmal wird er vom Auto angefahren und 15 Meter weit durch die Gegend geschleudert, ist aber zu unserem Entsetzen gar nicht tot - und das ist schon fast der lustigste Moment in diesem Film.

Der Rest der Charaktere ist auch nicht besser: Panettiere spielt das patente Kleinstadtgirl ohne Anstrengung runter und mit im Boot sind noch zwei Freundinnen, die aber überwiegend zur Staffage neigen. Denis Kumpel Rich hat, und das ist schon eine Leistung, noch weniger Funktion, er ist eigentlich nur da, um aus Filmen zu zitieren (und das für den Fachmann: auch noch falsch) und darüber zu spekulieren, ob er nun schwul ist oder nicht - eine Frage, die die Handlung ständig witzlos und überraschungsarm als Streckungsmittel unterbricht. Der Rest der Bitplayer stammt dann aus dem Ausmalbuch für einfallslose Autoren: drei Army-Bodybuilder auf Koks, ein Schlägertyp mit Problemen, der zum Helfer wird (schnorch!!!), die einflußreiche Schulzicke (ratz...) und nebenbei rührt man links und rechts des Weges auch noch ein paar problembeladene Mädels ein (offenbar Depressionen oder Eßstörungen), die lediglich auftauchen und verschwinden, ohne näher thematisiert zu werden.

Geliefert kriegt man demzufolge in dieser einen Nacht: Lagerfeuer im Wald, Partycrashing, Alk-Besorgung, Mädchenumkleide und stimmungsvolles Deflorieren in der Waldhütte samt Demolierung des Elternhauses, aber Columbus schafft etwas Wundersames: nichts davon ist irgendwie unterhaltsam, originell, nützlich oder im geringsten einfallsreich.
Zu den genialen Einfällen des Skriptes gehören dann Szenen wie der erfolglose Versuch des Kuhumschupsens (plus Stampede), der Tritt in einen Kuhfladen, ein aggressiver Waschbär und Denis, der sich einen Zahn ausbeißt, als er eine Bierflasche aufbeißen will (natürlich brettert er sich auch noch einen Schampuskorken in die Fresse).
Alles übrigens mit Ansage präsentiert und so überraschend wie das Programm im Formatradio.

Irgendetwas muß man schon haben, um sich an so einem Film festhalten zu können: tolle Charaktere, witzige Gags oder Tumulte oder wenigstens freizügige Tatsachen oder am besten alles davon, doch "Beth Cooper" ist einfach nur ein müdes Rekapitulieren abgedroschener und niedriger Standards ohne Esprit und Witz, grausam unkomisch und mit geradezu bemerkenswerter Konsequenz jeglichen Timings beraubt. Hält man die Hauptfiguren jedoch für beliebig (sie) oder deppert (er), dann entwickelt man auch in den gefühlvollen Szenen nicht die Spannung, die man haben müßte, wobei der generelle Tenor (er geht aufs College, sie bleibt im Kleinstadtleben) sowieso von "American Graffitit" und "Breakfast Club" entliehen wurde.
Bleibt ein zahnloser Turkey von einem Film, den problemlos auch 12jährige schauen können und auf deren intellektuellen Niveau der Film auch gemacht ist. Nur daß Leute wie Robert Rodriguez seit Jahren Filme für 8jährige aus dem Ärmel schütteln, die diesen hier am Start bereits einsargen. Für Freunde des gepflegten Billigwitzes und alle, die eh kaum noch was schmecken. (1/10)

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