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Nach einer Geschichte des berühmten japanischen Autors Edogawa Rampo (eigentlich Hirai Tarō, das Pseudonym nahm er zu Ehren Edgar Allan Poes an, den er sehr bewunderte) schuf Regisseur Yasuzô Masumura diesen schwer verdaulichen Film über Lust und Schmerz der Berührung.
In wie weit Rampos Geschichte schon so radikal war, sei mal dahin gestellt. Bekannt wurde er jedenfalls eher als maßgeblicher Beeinflusser der modernen japanischen Kriminalliteratur.
Jedenfalls spannt der Film doch einen recht weiten Bogen, über die Fixierung des/der Blinden, über die damit einhergehende Fixierung auf den Tastsinn (die anderen Sinne, so offenbart uns der Protagonist, sind unbefriedigend), bis hin zum Lusterlebnis am Schmerz, weil die „normale“ Berührung nicht mehr ausreicht.
Der Grundgedanke der schleichenden Gewöhnung und dem deshalb auftretenden Verlangen nach immer extremeren Erfahrungen, kann ich dabei voll zustimmen. Man brauch doch nur einen Blick auf unsere Gesellschaft zu werfen, um zu sehen wie zutreffend diese Beobachtung ist.
Ob das ganze allerdings im Zusammenhang mit der fiktionalen Geschichte des Films auch wirklich Sinn ergibt, dass sehe ich nicht unbedingt.
Die Wandlungen der raffinierten jungen Frau, der es geschickt gelingt einen Keil zwischen Mutter und Sohn zu treiben, um endlich fliehen zu können, hin zur erblindenden verliebten Masochistin ist vielleicht metaphorisch sinnvoll, realistisch aber völlig unglaubwürdig.
Ob einen das als Zuschauer stört, liegt wohl wiederum an der persönlichen Einstellung und Erwartung an den Film oder Film im Allgemeinen.
Wer kein Problem mit surrealistischen Handlungsverläufen (bzw. Filmen) hat, der mag diesen Bruch der Story wohl gern verzeihen, geschieht er doch im Dienst der höheren Aussage.
Wer einfach nur die Geschichte verfolgen wollte, als spannenden Horror/Entführungsthriller, dem mag das eher sauer aufstoßen.
Mich persönliche hat dieser Storyverlauf jedenfalls nicht gestört, eher schon das der Film doch ziemlich viel Zeit braucht, um endlich auf den Punkt zu kommen. Unterwegs hält man sich etwas zu sehr mit einigem, für meinen Geschmack zu plumpen, moralischem Geplänkel auf. Laber laber, Blinde sind auch nur Menschen, laber laber, Frau ist böse und durchtrieben.
Am Ende die große Läuterung, bevor dann der obsessive Teil voll durchschlägt.

Ist man mal ehrlich, ist das Faszinierendste an dem Film eigentlich eh das Visuelle und ganz besonders die ersten 30 Minuten.
Die Fotografien in der Galerie, die uns da präsentiert werden und vor allem der optische Oberhammer, das Atelier des blinden Bildhauers, durch das er sein Opfer erst ausschnittsweise Jagd und das er uns dann abschließend in seiner ganzen Pracht demonstriert.
Hier hatte der Film für mich seinen größten Aha-Effekt. Wirklich umwerfend.
Im weiteren Verlauf nutz sich das ganze dann etwas ab, um so öfter wir das Atelier sehen (und wir sehen praktisch fast nix anderes mehr) um so mehr gewöhnen wir uns an seine Absurdität und um so weniger kann sie uns beeindrucken.
Hier demonstriert der Film seine Aussage auch gleich praktisch am Zuschauer.
Die Geschichte kann diese auftretende Lücke eine Zeit lang leider nur zum Teil füllen, bis am Ende in der Szene in der die Kamera über die „Folterwerkzeuge“ fährt, noch einmal ein Gänsehauthoch erzeugt wird und der Film zum Schluss mit der Plastik, der die Arme und Beine abfallen, bildliche Einfachheit demonstriert.

Dennoch würde ich „Blind Beast“ als lohnende Erfahrung verbuchen, denn der Film konnte mich schon beeindrucken und macht besonders am Anfang optisch und am Ende storymäßig einiges her.
Eine lohnende Filmerfahrung für alle Fans des surrealistischen und makabren Kinos.

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