Review
von Leimbacher-Mario
Bis das der Zoff uns scheidet
Verfilmte Theaterstücke finde ich meist nicht ganz so überzeugend wie ihre Vorbilder auf der Bühne. Filmische Kammerspiele hingegen liebe ich. Da verschwimmen natürlich die Grenzen. "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" ist eine der berühmtesten Theaterverfilmungen & schnell wird einem klar warum. Wie Liz Taylor & Richard Burton sich als alkoholkrankes & hasserfülltes Ehepaar in dieser Nacht zerfleischen, hat bis heute nichts von seiner Klasse, Aktualität geschweige denn Faszination verloren. Das sind schlicht zwei der besten Performances, die je auf Zelluloid gebannt wurden. Legenden auf ihrem Zenit, die sich gegenseitig hochschaukeln & sich gruselig psychisch zerstören, den Alkohol körperlich den Rest machen lassen. Diese zwei Schwergewichte im Klinsch wären jedes Eintrittsgeld wert, zudem kriegt man noch zwei einrahmende Darsteller, ein junges Ehepaar das mit den verkorksten Hassliebenden die Nacht verbringt, die ebenfalls mit der Zungeschnalzen lassen. Doch Vorsicht: auf Grund depressivem Thema ist der Wiederspielwert bei mir zumindest sehr gering!
Man könnte meinen, eingeschränkte Settings & eine Dauerberieselung von pfiffigen Dialogen nutzen sich in über zwei Stunden ab - doch dem ist kaum so. Zu zeitlos die Themen, zu episch die Schauspieler, zu geschliffen die Dialoge. Ich kann zwar nicht ganz nachvollziehen, warum das gastierende Paar das Theater so lange mitmacht, noch weniger warum Burton & Taylor noch immer im Film liiert sind - doch Hasslieben, Verzweiflung die zu Verbundenheit führt, soll es ja geben. Mir reicht schon das Ertragen dieses Zustands über zwei Stunden Film. Sehr anstrengend, traurig & erschütternd. Zwar menschlich, nicht unermesslich überhöht & teilweise aus schlechteren Beziehungen sogar nachvollziehbar, trotzdem eher Paradebeispiel wie man eine Partnerschaft nicht führt. Das hat etwas von einem Psychohorrorfilm & tut im Herzen weh, kann abschrecken & Narben hinterlassen. Dieser Dialogschocker war seiner Zeit weit voraus, schmerzhaft ehrlich & fasste damalige Tabus wie Sex, häusliche Gewalt, Alkoholsucht & extremen Ehefrust konzentriert zusammen. Ein Power Play, dass lange nachhallt. Schauspielerkino at its finest.
Fazit: Ehedrama der Extreme, Psychospielchen ohne Erbarmen. Eine der ganz großen Verfilmungen eines Theaterstücks! Schmerzhaft real - macht keine Lust auf Liebe, Partnerschaft, Ehe... thematisch staubresistent, inszenatorisch erwartungsgemäß statisch. Wie Taylor die abgewrackte Alkoholikerin spielt, macht mich sprachlos.