Zum Tod ein Meisterwerk
Ein ehemaliger Schauspieler lebt nun zurückgezogen in seinem großen Haus daher. Er feiert seinen fünfzigsten Geburtstag. Doch die philosophierende Feiergemeinschaft mit Familie und Freunden wird durch den scheinbaren Einbruch des dritten Weltkriegs überrascht und nun muss der Mann Opfer bringen, damit die Menschheit überhaupt noch eine Chance auf Fortbestand hat…
Als Spezies unsere Möglichkeiten vertan?
„Offret“ ist ein enorm tiefsinniger und komplexer, kühler und schwer zugänglicher Brecher. Hier hat Tarkovsky nochmal sehr viel bis alles reingelegt. Und wenn der Mann das tut, dann muss sich jeder auf etwas gefasst machen. Selbst kinoerfahrene, geduldige Arthousegucker. „Offret“ ist eine Herausforderung. Ein Eklat. Ein Monument. Ein Statement. Ein Goodbye. Über die Vergänglichkeit und Urfurcht der Menschheit. Über eine Spezies, die sich verliert. Über Existenzängste. Über Liebe - auch zu sich selbst. Über Selbsthass und Familienbürde. Das ist nah an Bergman, kein Wunder bei dem Schauplatz - aber doch ganz unterkühlt und berechnend Tarkovsky. Das ist klares Vorbild für Lars von Trier. Die pfützendurchtränkten Landschaften. Das brennende Anwesen. Die fehlende Sprache. Die fliegende Bettlektüre. Alles steht für etwas. Jedes Detail sitzt und sticht zu. Da kann man aus dem Vollen schöpfen - wenn man will. Das kann einen aber natürlich ebenso überfordern und kalt lassen. Man kann das prätentiös und zu verkopft finden. Für mich ist das jedoch ein absoluter Augenöffner. Den man vielleicht nicht allzu früh auf seiner persönlich-filmischen Reise sehen sollte. Doch wenn es klickt macht, gibt es kein Zurück mehr. Dann ist man danach nicht mehr derselbe. Dann ist „Offret“ in seiner Weisheit und Weitsicht kaum zu überbieten. Massiv und zeitlos, wie die Renaissancemalerei zu Beginn. Ein Weltfilm. Ein Ding der Unmöglichkeit. Und mit Tarkovskys Schicksal am nahen Horizont ist dieses Unterfangen nochmal ergreifender und überwältigender. Wirklich ein Opfer, das nicht viele Regisseure bisher erbracht haben…
Opferbereitschaft & Kunstfertigkeit
Fazit: ein Film wie Epos, Oper, Tragödie, Traum, Warnung und Wegweiser in einem. Tarkovsky war nie besser und wurde leider auch nicht älter. „The Sacrifice“ ist der würdigste Abschied, den man einem solchen Giganten des Fachs zutrauen und wünschen kann. Überwältigend, intelligent und massiv. Stimulierend. Wahnsinn.