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Als Produzent und Regisseur hatte Master P ja mit „No Tomorrow“ und „Hot Boyz“ zwei B-Actioner auf das Publikum losgelassen, bei dem Knastfilm „Lockdown“ (wieder von seiner No Limit Truppe mitfinanziert) fungierte er nur noch als Produzent.
Der Beginn des Ganzen schwelgt mal wieder in den üblichen Ghettofilmklischees: Der junge Schwarze Avery Montgomery (Richard T. Jones) hat Frau und Kind, träumt von einer guten Ausbildung und hat nur wegen seiner hervorragenden Leistungen als Schwimmer Chancen auf ein Stipendium. Seine Freunde Cashmere (Gabriel Casseus) und Dre (D’aundre Bonds) hingegen dealen und haben meist die Waffe griffbereit. Jedoch bleibt Avery mit ihnen befreundet, schließlich kennt man sich noch aus Kindertagen und wer Filme des Genres kennt, der weiß: Das kann nicht gut gehen.
So wird ausgerechnet der Abend von Averys größtem Triumph (ein Talentscout offeriert ihm ein Stipendium) zum Verhängnis: Ein bei Cashmere verschuldeter Gangster hinterlässt in dessen Wagen die Tatwaffe aus einem Raubmord und verständigt die Polizei. Aufgrund von Cashmeres Verhalten verhaftet man ihn, Avery und Dre und verurteilt sie anschließend wegen des Raubmordes. Die Kritik ist altbekannt, die Justiz schert Schwarze alle über einen Kamm und verurteilt aufgrund von Indizien, aber das ist ein Problem, das heute noch nicht aus der Welt ist.

Das Trio kommt in den Knast und muss sich an das Leben dort gewöhnen: Rivalisierende Gangs beherrschen den Hof, die Wärter sind auch keine Unschuldslämmer usw. Jeder versucht auf seine Weise damit umzugehen...
Nach den vorherigen Master P Produktionen hätte man nicht unbedingt damit gerechnet, aber „Lockdown“ ist ein recht hochwertiges B-Movie. Die Qualität vergleichbarer Knastfilme aus Hollywood erreicht er zwar nicht, aber bemüht sich nicht um deren Tiefgang. Averys unschuldiges Einsitzen und der Kampf seiner Frau um Wiederaufrollen des Falles sind nur ansatzweise Kritik am Justizsystem, sondern mehr Background. Auch das Gefängnis an sich wird kaum thematisiert, aber zur positiven Überraschung verzichtet „Lockdown“ auf allzu ausgelutschte Klischees wie einen unerbittlichen Direktor oder grundlos sadistische Wachen.

Sicher sind die Charakterisierungen in „Lockdown“ keine Sternstunden der Drehbuchkunst, doch nett gemacht ist es schon: So sympathisieren unterschiedliche Wärter mit unterschiedlichen Gruppierungen, die setzen sich zusammen aus den weißen Rassisten, der schwarzen Gang und zwei Latino-Gruppierungen („Blood In Blood Out“ lässt grüßen). Dazwischen sind dann noch die, die unbeteiligt bleiben wollen, so wie Avery oder sein Zellenkumpan. So ist die Figurenzeichnung vielleicht etwas stereotyp, aber sie erfüllt ihren Zweck in „Lockdown“: Sie bietet Anlass für Konflikte.
„Lockdown“ funktioniert nämlich als nicht unbedingt origineller, aber durchweg spannender Knastfilm. So sorgen die Versuche von Averys Frau sowie des freundlichen Talentscouts Charles (Bill Nunn) seine Unschuld zu beweisen für einen spannenden Subplot, zum anderen bietet die Reibereien im Knast immer wieder Spannungspotential, z.B. wenn die Gangrivalitäten zu eskalieren drohen oder Cashmere Avery eines Verrrats bezichtigt, den dieser gar nicht begangen hat. Es sind zwar alles eher kleine Konflikte, einen großen Mainplot kann man nicht ausmachen, aber dafür ist „Lockdown“ ziemlich spannend.

Da verzeiht man dann auch gerne das eine oder andere sehr derbe Klischee, z.B. dass nahezu jeder Häftling beim Betreten der Zelle darauf achten muss, dass der Zellenkumpan ihn nicht zu seiner bitch macht, als ob fast nur sexuell frustrierte Degenerierte einsitzen. Doch „Lockdown“ bemüht sich nicht um falschen Tiefgang, stattdessen gibt es noch ein paar Actionszenen, die nie allzu sehr ausufern, aber den Film auflockern. Vor allem der Showdown (natürlich während eines Aufstandes) sorgt noch mal für Laune.
Richard T. Jones absolviert seine Rolle dann auch auf ziemlich gutem B-Niveau und zeigt, dass er durchaus für höhere Aufgaben geeignet ist. Der Rest spielt OK, Bill Nunn hat seine Standardrolle als Wohltäter mal wieder gut drauf. Wie in „No Tomorrow“ und „Hot Boyz“ mischt auch Master P wieder mit, hier als Anführer der schwarzen Gang, aber er macht seine Sache überraschend gut und bietet keinen Anlass zur Klage.

Alles in allem ist „Lockdown“ ein recht spannender, wenn auch wenig origineller Knastfilm. Jedoch gibt es kaum Längen, die kleinen Konflikte sind recht spannend gemacht und ein wenig Action lockert das stereotype Treiben auf. Keine Konkurrenz für Filme wie „Blood In Blood Out“ oder „Die Verurteilten“, aber besser als der zu ähnlicher Zeit entstandene Hollywoodknastfilm „Die letzte Festung“.

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