Avery hat alles: Krista, seine wunderschöne Freundin, einen netten Sohn und ein Uni-Stipendium in der Tasche. Doch in nur einem Augenblick verliert er seine Zukunft: Was als Party-Nacht mit seinen Kumpels begann, endet mit tödlichen Schüssen und für Avery hinter Gittern. Avery ist unschuldig – doch was zählt das schon an einem Ort, an dem andere Gesetze gelten. Während Krista alle Hebel in Bewegung setzt, seine Unschuld zu beweisen, kämpft Avery im Knast täglich ums Überleben.
Von Lockdown hatte ich mir vorher herzlich wenig erwartet. Filme die von oder mit irgendwelchen Rappern produziert wurden, haben einfach bisher wenig geglänzt und sind eher durch Stereotypen und Dauerberieselung durch die voll harten Ghettoslangs aufgefallen, inhaltlich aber meist so dünn wie Eßpapier.
Alle Vorurteile werden prompt zu Beginn bestätigt, die Schwarzen sind unter sich in da hood, verdienen zumeist ihr Geld durch Crack dealen, da fällt so ein Saubermann wie Avery schon beinahe unangenehm auf. Dieser hat eine glückliche Familie, steht kurz vor einem Schwimmstipendium, als das Schicksal ihn und zwei seiner (auch kriminell vorbelasteten) Kumpels unschuldig hinter Gittern verfrachtet.
Interessanter wird im Film mit vollen Händen aus der Klischeekiste geschöpft (korrupte Wärter, rivalisierende Gangs im Hof, popoaffine Zellengenossen, Drogen- und Waffenschmuggel, der weise Mentor der kurz vor der Entlassung steht und dem Frischling (sowie dem Zuschauer) die Regeln erklärt, alles ist so oder in ähnlicher Form in jedem Knaststreifen zu sehen. Interessant fand ich eigentlich, das die Geschichte der drei Kumpels sehr unplakativ und sogar nahe an realen Verhältnissen präsentiert wird. Klar wird hier sichtlich übertrieben, aber so ähnlich geht es in Wirklichkeit auch zu, wenn man den Dokus auf den zahlreichen einschlägigen Kanäle glauben darf.
Avery ist ein Held, der nicht als solcher geschildert wird. Er ist weder besonders hart oder stark und ist sogar bereit aus Scham sich von seiner Frau und Sohn zu trennen, obwohl er sie abgöttisch liebt. Mir hat diese nicht-reißerische ruhige Erzählstruktur durchaus gefallen. Klar gibts einige Reibereien, am Ende sogar eine komplette Revolte und erschreckend wenige der vorgestellten handelnden Personen überleben das Ganze, aber es artet nie in sinnlose Gewaltdarstellungen aus. FSK 18 ist schon ok, Gewalt wird gezeigt, wo es Sinn macht, aber nie aus Blutgeilheit. Wer wie ich generell Gefängnisfilme mag, dem kann ich diese kleine Produktion nur mal zum testen nahelegen.
7/10