Review

kurz angerissen*

„Captain Kronos“ ist so etwas wie das schiefe Grinsen in der klassischen Pose eines alternden Hammer-Gesichts, das zwar nicht bereit ist, seine Ufer zu verlassen, jedoch eine neue Perspektive darauf wirft. Was retrospektiv zu „Blade“-Vergleichen führte, ist nicht einfach nur modern inszenierte Vampirjagd oder bloßes Einzelgängertum samt störrischer Duldung eines loyalen Sidekicks, es ist die bittere Ironie und der stille Protest gegen die eigene Profession, die den strohblonden Deutschen in der Hauptrolle ein Stück weit mit dem Daywalker verbindet.

Regisseur Brian Clemens komponiert eine atmosphärische Mischwelt aus Dracula-Dörfern und hügeligen Laubwäldern, in denen zum Aderlass ebenso gebeten wird wie zum Duell mit dem Degen. Die dreidimensionale Fläche wird bis weit in die Tiefe hinein hervorragend genutzt, insbesondere anhand der schwarzen Kapuzengestalt, die es auf junge Frauen abgesehen hat und ihrerseits deswegen von Kronos gejagt wird; sie erscheint nahtlos im Bild wie ein schwarzes Loch und ist auf einmal doch ganz woanders, mal das Bild füllend, dann ein schwarzer Punkt im Panorama, ausgesaugte Hüllen hinterlassend, die man mit detailfreudiger Make-Up-Arbeit auf hübsche Gesichter gepinselt hat.

Die im Vergleich zu anderen Produktionen aus den Hammer-Studios weniger schwerfällige Erzählweise hat den Alterungsprozess bis zum heutigen Tage stark verzögern können; sie ermöglicht heute reuelosen Retro-Genuss bei ansprechendem Tempo, der selbst gegenüber der Überraschungsmüdigkeit eines von der Postmoderne eingenommenen Publikums eine gewisse Resistenz bewahrt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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