Michael Stuhlbarg spielt einen jüdischen Physikprofessor, der ein durchschnittliches, mittelständiges Leben führt. Dies ändert sich, als seine Frau ihn verlässt und es kaum erwarten kann, sich von ihm scheiden zu lassen, um ihren Liebhaber heiraten zu können. Zudem gibt es immer mehr Ärger mit seinem Bruder, einem Schüler, dem er eine schlechte Note geben musste sowie seinen rassistischen Nachbarn. Doch dies sind noch nicht alle Rückschläge, die er hinnehmen muss.
An dieser Stelle ist es wohl überflüssig zu erwähnen, dass Joel und Ethan Coen keinen ganz einfachen Geschmack haben und immer wieder Filme jenseits aller Stereotypen abliefern, an denen sich dann die Geschmäcker scheiden; angefangen bei den Gag-Gewittern "The Big Lebowski" und "Burn after Reading" bis hin zu den meines Erachtens überschätzten Thrillern "No Country for Old Men" und "Fargo". "A Serious Man" ist nun ein weiteres Beispiel für die allgemeine (Selbst)-Überschätzung der Coens und ihrer Genialität.
Scheinbar haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Hiob-Geschichte noch einmal zu erzählen und in die Moderne zu transferieren. Larry, die Hauptfigur, lebt ohne größere Laster, beschwert sich recht selten, kümmert sich ganz gut um Frau und Familie, bis ihm schließlich ein Übel nach dem anderen widerfährt. Larry nimmt es zunächst hin, toleriert, dass seine Frau ihn für einen unsympathischen Schmierlappen verlässt, gibt den beiden sogar seinen Segen, während er die Wut unterdrückt. Weder seinem rassistischen Nachbarn, noch dem Schüler, der sich ungerecht behandelt fühlt, vermag er es Paroli zu bieten, genauso, wie den Rabbis, die ihm in diversen Gesprächen ausweichen. Er bringt es nicht fertig, seinen Bruder, der bei ihm wie die Made im Speck lebt, rauszuschmeißen, die zahlreichen Disco-Besuche seiner Tochter zu unterbinden, seinem drogenabhängigen Sohn sein Rauschgift zu verbieten, mit seiner attraktiven Nachbarin zu schlafen.
Kurz um: Larry ist ein Verlierer, der ohne große Gegenwehr nach und nach unter die Räder gerät, bis es kommt, wie es kommen muss. Und diesem Verlierer, dessen Schicksal zumindest in seinen Grundzügen durchaus aus dem Alltag gegriffen sein könnte, widmen die Coens nun also einen Film. Doch die Herangehensweise ist die falsche:
So hätte Larrys Schicksal durchaus nahe gehen, Mitgefühl und damit auch Dramatik erzeugen können, doch dazu kommt es leider nicht. Dafür ist das Geschehen viel zu distanziert dargestellt und lädt (wenn auch bewusst von den Coens so angelegt) nicht gerade zur Identifikation ein. Der Abstand bleibt aufgrund der distanzierten Machart und der befremdlichen Inszenierung durchweg zu groß, als dass ein Mitempfinden aufkommen könnte. Zu skurril und unglaubwürdig sind die Nebenfiguren konstruiert, zu übertrieben wirkt die eine oder andere Szene, zu deplatziert wirken die Schnitte, die dem Zuschauer scheinbar immer die interessantesten Stellen vorenthalten, zu viele überzogene, mitunter deplatzierte Stilmittel bringen die Coens ein.
All dies wäre nicht weiter tragisch gewesen, hätten die Coens das Monument, das sie einem recht uninteressanten Verlierer hier gesetzt haben, unterhaltsamer gestaltet. Doch der Plot bleibt einfach zu simpel gestrickt und -auch wenn die Coen-Fans dies ganz anders sehen mögen- Hintergründiges gibt es recht wenig. Zudem ist "A Serious Man" auch nicht so amüsant, wie man ihn sich hätte erhoffen können, so sind die Gags zu einseitig darauf beschränkt, dass Larry immer wieder in Situationen kommt, in denen er eigentlich ausrasten, sich wehren sollte, dies aber unterdrückt, während die Dialoge mehr sinnfrei und unnötig sind, als dass sie den Film vorantreiben oder eine amüsante Wirkung entfalten. Mit dem zähen Erzählstil ergibt sich so ein Film, dem man zumindest keine stereotypen Muster zum Vorwurf machen kann, der punktuell immer mal wieder ganz gut unterhält, aber nie so recht zu zünden vermag.
Dabei greifen die Coens weitestgehend auf unbekannte Darsteller und unverbrauchte Gesichter zurück, die es ihnen durchaus mit ordentlichen Leistungen danken. So ist die Hauptrolle mit Michael Stuhlbarg ganz gut besetzt, da dieser durchaus wie ein durchschnittlicher Typ wirkt, den man auf der Straße nicht weiter beachten würde und sich darüber hinaus darstellerisch keine Fehler erlaubt. Ähnlich verhält es sich mit dem restlichen Cast, der ebenfalls gut aufspielt und an der distanzierten Machart der Coens vollkommen unschuldig ist.
Fazit:
Mit "A Serious Man" wollten die Coens wohl dem durchschnittlichen Verlierer ein Denkmal bzw. satirisches Mahnmal setzen, gestalten ihr Werk jedoch derart distanziert, dass eine Identifikation mit ihrem Protagonisten ausgeschlossen ist. So verliert sich der zähe, nur punktuell mal amüsante Film in unsinnigen Dialogen und einigen Längen, zumal zu wenig Denkansätze und Interpretationsspielräume vorhanden sind.
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