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Loïc (Johan Libéreau), Typ weicher Schönling, wirkt innerhalb der französischen Bergsteigertruppe, die sich eine Route in den kroatischen Bergen ausgesucht hat, wie ein Fremdkörper. Als die Anderen im Auto ein Lied aus ihrer Jugend anstimmen, kann er nicht mitsingen. Dagegen gehört Guillaume (Raphaël Lenglet) dazu, obwohl er für diesen Trip gar nicht vorgesehen war. Allerdings klang Karine (Maud Wyler) wenig überzeugend, als sie sich bei ihrer Freundin Chloé (Fanny Valette) dafür entschuldigte, dass sie sich von Ex-Freund Guillaume dazu überreden ließ, ihn mitzunehmen. Und auch für Karines Freund Fred (Nicolas Giraud) ist der erfahrene Bergsteiger willkommen, während sich der ängstliche Loïc, Chloés neuer Freund, schnell als Klotz am Bein erweist.

"High Lane" entwickelt mit wenigen Pinselstrichen eine überzeugende, Spannung versprechende Konstellation aus diversen Gegensätzen. Die Mischung aus erfahrenen Bergsteigern und Anfängern, sowie dem Ex- und dem aktuellen Freund der attraktiven Chloé, lässt Reibungsflächen in schwierigen Situationen erwarten, ganz abgesehen von Chloés psychischem Zustand, der der eigentliche Aufhänger für den Bergtrip gewesen war. Die Ärztin hatte einen Jungen in einer schwierigen Situation nicht retten können, weil sie nicht in der Lage gewesen war, einen Luftröhrenschnitt vorzusehen.

Einen Moment lang droht die Bergbesteigung zu scheitern, weil die Route sich als gesperrt erweist, aber Fred ignoriert die Warnschilder, erklimmt entschlossen den ersten Hang und ermöglicht damit auch den Anderen den Einstieg in den geplanten Rundweg. Zuerst erweist sich dieser als unproblematisch, auch wenn der ängstliche Loïc zunehmend nervt. Als sie an einer großen Hängebrücke angelangen, scheitert er fast bei der Überquerung, aber mit vereinten Kräften gelingt es ihnen, ihn auf die andere Seite zu bringen, um dann mit ansehen zu müssen, wie die erfahrene Karine fast abstürzt. In letzter Sekunde retten sie sie von der hinab fallenden Hängebrücke, aber damit ist jeder Rückweg ausgeschlossen.

Diese frühe Phase des Films kann nicht nur mit atemberaubenden Panoramen aufweisen, sondern vermittelt überzeugend das Spannungsverhältnis innerhalb einer unhomogenen Gruppe, die zunehmend am Berg in Schwierigkeiten gerät. Als ein Weiterklettern erschwert wird, weil sich ein Halteseil an dem Kletterpfad gelöst hatte, versucht Fred gemeinsam mit Karine eine alternative Route zu finden. Während die Situation am Hang sich zuzuspitzen scheint, erweist sie sich kurz danach als der abschließende Höhepunkt des Bergsteigerdramas, denn "High Lane" vollzieht urplötzlich eine komplette Kehrtwende in Richtung Horror - Film.

Was vordergründig originell klingt, ist nicht nur eine inkonsequente Variante zu "Descent", sondern der Abschied von der bisher überzeugenden Kameraführung und der psychologischen Gestaltung der Gruppe. Auch in "Descent" bewegten sich die Abenteurer auf einem verbotenem Kurs, dem kurz danach der Rückweg abgeschnitten wurde, aber die unerwartete Bedrohung ließ die Konflikte innerhalb der Truppe erst richtig zum Vorschein kommen, während hier nur noch ein paar unausgegorene Klischees angeboten werden. Dabei hätte es, angesichts des schwelenden Streits um Chloé, genügend Potential gegeben, auch ohne einen geheimnisvollen Bösewicht diversen Blutzoll zu erzeugen, aber leider wählte man die profane Variante.

Diese lässt Loïc zwischen Amok laufendem, hinterhältigen Feigling und plötzlichem Helden changieren, ohne das es dafür nachvollziehbare Gründe gäbe. Chloe nervt dagegen mit dauerhaftem Geschrei, um dann irgendwann doch die Sense raus zu lassen. Nur Guillaume behält lange Zeit die Contenance, um sie dann unmotiviert zu verlieren, aber das spielt dann schon keine Rolle mehr, weil die hektische Kameraführung und das nur noch schwer nachvollziehbare Geschehen, jede Spannungsentwicklung unterminiert hat.

"High Lane" ist nicht nur ein Beispiel dafür, dass Originalität nicht automatisch einen Film verbessert, sondern das brutales, allerdings nicht explizit dargestelltes Gemetzel, das zudem über viel Serienkiller - Beiwerk verfügt, nicht unbedingt Spannung erzeugt. Durch den Verlust der Übersichtlichkeit der ersten Filmhälfte und - damit einher gehend - die schlüssige Personenführung, verliert sich der Film zum Schluss in einer wenig überzeugenden Backwood - Slasher Kopie und hinterlässt damit leider einen zwiespältigen Eindruck.(4/10)

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