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"High Tension, Inside, Martyrs" und auch "Frontier(s)" haben nicht nur die Gemeinsamkeit den Horrorfan auf die brutalste Art zu schocken, sondern sie stammen alle aus Frankreich. So auch "High Lane", der erste Spielfilm von Abel Ferry, eine recht gelungene Mischung aus Bergkraxeleien und Backwoodslasher, der dem Genre jedoch keine Neuerungen abgewinnen kann. Drehbuchautor Louis-Paul Desanges schrieb auch das Drehbuch zum kurz zuvor erschienen "Mutants".

Chloé (Fanny Valette), ihr neuer Freund Loic (Johan Libéreau), Exfreund Guillaume (Raphael Lenglet) und die zwei erfahrenen Kletterer Fred (Nicolas Giraud) und Karine (Maud Wyler) unternehmen eine Bergtour in Kroatien. Die geplante Route ist zwar gesperrt, doch Fred entdeckt einen anderen Weg. Doch die Sperrung ist nicht ohne Grund, denn hinter der fünfköpfigen Truppe stürzt die Seilbrücke in die Tiefe und es gibt kein zurück mehr. Desweiteren sind die Sicherheitsseile brüchig, es gilt bevor es dunkel wird die Seilbahn ins Tal zu erreichen. Mit Mühe und Not auf dem Gipfel angekommen, erwartet die Gruppe dort das wahre Grauen.

Es ist auch wirklich schwierig bei solch einem hohen Austoß immer wieder mit Neuerungen und Wendungen zu punkten. Den heutigen Horrorfilmen mangelt es meist an Innovation, daher setzt man fordergründig auf Brutalitäten und Terror. "High Lane" ist in zwei Phasen gesplittet, denn die erste halbe Stunde bietet Kletteraction in schwindelerregenden Höhen, während der Rest sich als üblicher Backwoodslasher heraus kristallisiert. Die fünf Charaktere bleiben oberflächlich, nur Chloé verleiht Ferry ein wenig Tiefe. Sie ist über den Tod eines Kindes nicht hinweggekommen, bei dem sie einen Luftröhrenschnitt durchführte. Zudem ist das Verhältnis in der Gruppe ein wenig gespannt, denn Chloés neuer Freund Loic leidet unter Höhenangst und streitet sich ständig mit Ex-Lover Guillaume. Trotzdem präsentiert sich die kleine Gruppe ziemlich erwachsen, die unbekannten Darsteller machen ihre Sache gut und steigern sich richtig in ihre Rolle rein, wenn es ihnen an den Kragen geht. Ferry lässt kaum Zeit verstreichen, schon befindet man sich in luftigen Höhen. Die Kletterszenen sind wirklich spektakulär und dürften besonders bei Akrophobiker eine Gänsehaut auslösen. Gerade die einstürzende Hängebrücke, oder das plötzliche reißen der Führungsseile sorgt beim Zuschauer für Entsetzen. Schon bald gibt es kein Zurück mehr, das Handy hat kein Netz und nur die Seilbahn ins Tal kann den Tag noch retten.

Doch urplötzlich verwandelt sich "High Lane" in einen knallharten Horrorfilm, denn ein Unbekannter wohnt auf dem Gipfel und hat dort jede Menge Fallen aufgebaut. Da wäre die gute alte Bärenfalle, oder das getarnte Loch mit angespitzten Stöcken. Zusätzlich rückt er der Gruppe mit Pfeil und Bogen auf die Pelle. Der weitere Verlauf ist größtenteils vorhersehbar, aber temporeich und vor allem atmosphärisch in Szene gesetzt. Da wäre die atemberaubende Naturkulisse, die gleichzeitig bedrohlich wirkt. Die Kamera ist immer am richtigen Fleck, hat viele tolle Bilder eingefangen, ist in manchen Szenen aber zu hektisch. Doch der Zuschauer bekommt Terrorkino vom Feinsten geboten, denn für eine FSK 16 Freigabe ist dieser Überlebenskampf wirklich drastisch. Kompromisslos wird die kleine Truppe dezimiert, die Opfer dürfen dann den Keller des Hinterwäldlers schmücken. Dort finden sich schon die Überreste zahlloser Opfer. Doch nicht nur der Hinterwäldler sorgt für Schrecken auch zwischen Loic und Guillaume kommt es noch zur Katastrophe, hier wird gezeigt wozu Menschen fähig sein können. Bis zum wirklich bitteren Ende bleibt "High Lane" spannend und besonders die harten Zweikämpfe gegen den Jäger fesseln. Über den Hinterwäldler erfährt man kaum etwas, ein wenig mehr hätte man schon auf die Hintergrundstory eingehen können.

Wie von den Franzosen mittlerweile gewohnt ist auch "High Lane" starker Tobak. Der klischeeträchtige Plot und die Reißbrettcharaktere trüben den Filmgenuss kaum, denn Ferry hat den Dreh raus und serviert uns einen harten, spannenden und optisch ansprechenden Backwoodslasher. Dank der kurzen Laufzeit von 81 Minuten schleicht sich nie der Längenteufel ein, für Fans des Genres ein Muss.

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