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Dass die Franzosen ihr Handwerk beim Filmemachen verstehen, haben sie in den vergangenen Jahren insbesondere im Horrorfilm gezeigt. Dass sie dabei auch innovativ sind und Grenzen überschreiten, haben sie auch bewiesen. Nun habe ich mir High Lane aus dem Jahr 2009 angeschaut.

Und der erste Teil des Films ist wirklich fesselnd. Wir begleiten fünf Bergsteiger nach Kroatien, wo sie einen längst gesperrten Weg beschreiten. Und das aus gutem Grund, wie sich später herausstellen wird.

Zunächst werden innerhalb von 15 Minuten die Figuren eingeführt und erste Spannungen innerhalb der Gruppe etabliert. Diese sorgen dann auch für viel Spannung, denn einer der Bergsteiger leidet unter Höhenangst. Der versierteste Bergsteiger weiß, dass der Bergsteig gesperrt ist, verschweigt es aber. Und einer aus der Gruppe ist der Ex der einen jungen Dame, die unter einen Trauma leidet und mit dem Höhenangsthasen mittlerweile liiert ist. Nichts wirklich neues, aber genug, um einen Spannungsbogen über den gesamten Film zu ziehen.

Die Kameraarbeit während des Klettergangs ist beeindruckend, der Schnitt tut sein übriges, um mit den Figuren mit zu fiebern. Die Gruppe sieht sich plötzlich einer nahezu ausweglosen Situation gegenüber, der Weg führt nicht zum gewünschten Ziel und sie hängen in einer Steilwand fest. Der Anführer der Gruppe versucht mit seiner Freundin einen Ausweg zu suchen und tritt dabei in eine Bärenfalle.

Hätte ich das Cover der Bluray vorher nicht gesehen, hätte ich erst mal nicht gewusst, was dann folgen wird. Doch es wird schnell klar, dass High Lane nun von einem spannenden Kletterfilm zu einem einfallslosen Torture-Backwood-Film verkommt. Zwar gibt es auch im zweiten Teil des Films durchaus spannende Momente, die aber bei weitem nicht mehr so eindringlich wirken, wie in der ersten Hälfte. Das einzige, was den Film von anderen Backwood-Slashern noch unterscheidet, ist sein geringerer Härtegrad - was aber nicht stört - im Gegenteil. Hätte man hier einen Thriller statt eines Backwood-Horrors weitergesponnen - die Dramaturgie innerhalb der Gruppe alleine hätte dafür gereicht -, wäre High Lane zu einem wirklich guten Film geworden. So wirkt er aber eher wie ein zu blutleerer Horrorfilm, dessen zweiter Teil die Ideenlosigkeit des Drehbuchs offenbart. Und im zweiten Teil geht auch die faszinierende visuelle Inszenierung verloren.

Und ein ausgesetzter Junge, der sich zu einem hirn- und wortlosen Kannibalen entwickelt hat und die Gruppe jagt, weiß nicht zu fesseln und wirkt völlig deplatziert.

Fazit: Spannender Beginn, der im zweiten Teil aber zu einem 0815-Slasher verkommt. Sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch ist der Bruch zwischen den beiden Teilen zu groß, um High Lane eine wirklich gute Bewertung zu geben. Für den Kletterpart gibt es 9 Punkt, für den Rest 2. Macht eine 5,5, die ich aber abrunde: 5/10

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