Review

Höhenluft hat Blut im Mund


Quer in die „New French Extremity“ schoss mit „Vertige“ gegen Ende der 00er ein recht klassisch anmutender Klettermaxe zwischen „Cliffhanger“ und „The Descent“, zwischen Hardcorehobby und Backwoodslasher, wenn sich fünf Anfänger- bis Amateuerkletterer an den steilen Felswänden Kroatiens heillos übernehmen - und dann auch noch mit ganz speziellen Ausgeburten der Natur konfrontiert werden…

Für Menschen mit Höhenangst oder zu großem Adrenalinsucher ist der Beginn von „Vertige“ ein echt schweißtreibender. Weite Bergbilder, unangenehme Höhen, rutschige Kiesel, schmale Wege, morsche Brücken, alte Halterungen, panische Gruppendynamik, wenig Expertise, viel Todesangst, falsche Entscheidungen. Das wirkt, das pusht, das ist gefährlich gut. Die Franzosen konnten im Genre vor 10-15 Jahren halt richtig was. Dazu sind die Charaktere vielleicht nicht die sympathischsten und die Darsteller die talentiertesten - aber ganz unrealistisch, schlecht oder blöd sind sie zu keinem Zeitpunkt. Leider reicht dem Film dieses angespannte Szenario zwischen „A Lonely Place To Die“, „Turistas“ und „Vertical Limit“ nicht. Und so kommt’s wie's kommen muss - und es wird wortwörtlich die falsche Abzweigung („Wrong Turn“) genommen. Und der Rest ist augenrollende Geschichte. Saftig, seicht und leider nur noch halb so steil. Gewöhnliches Gebirgsgekröse. 

Fazit: The Mountains Have Eyes… Bergkoller trifft Kletterkiller trifft Freeclimbingfreaks. Leider kann „Vertige“ nach einer sehr ordentlichen ersten Hälfte seine Höhenluft nicht auf Dauer schnuppern, stürzt sogar teilweise (spätestens im letzten Bild) schmerzhaft ab. Dennoch: knackiger Kletterkollateralknabberspass! 

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