Für Filme wie "La Boum" damals in den frühen 80ern gibt es heute nur selten echte Entsprechungen, also Filme, die sowohl die Jugendlichen wie auch die Erwachsenen ansprechen können, ohne daß eine Gruppe unter sich bleibt und es nur um den Verlust der Jungfräulichkeit, sondern hauptsächlich um das Selbstverständnis in der Teenagerzeit geht.
Jetzt preschen die Franzosen mal wieder vor und haben auch noch den Coup gelandet, die Original-"Vic" aus "La Boum", also Sophie Marceau für die Neuauflage zu verpflichten, inzwischen in der Mutterrolle. Bei den Franzosen ein Hit, ist der Film bei uns eher was für Liebhaber, aber das sollte Interessierte oder Fans nicht stören, denn der neue Film steht ganz in der Tradition der Originale.
Nur eben, daß damals festnetztelefoniert wurde und jetzt alles über PCs, Messenger, SMS und Handys läuft, doch letztendlich kann man auch über so viele Kommunikationsmöglichkeiten noch eine Menge falsch verstehen in Liebesnöten, genauso wie "La Marceau", die an der Steinzeitfassung (dem Tagebuch ihrer Tochter) scheitert.
In bester Harry-Potter-Tradition kriegen wir ein ganzes Schuljahr aus der Altersklasse 15/16 aufgetischt mit allem, was dazu gehört: miese Noten, Desinteresse, Parties, heimliches Wegschleichen, Zickenterror, Schulmobbing und dem Beziehungskrawall, der in der polygamen Teenagergesellschaft heute gang und gebe ist.
Natürlich ist einiges direkter und drastischer geworden seit 1980 - wo früher Sex das Äußerste war, wird jetzt dauernd drüber geredet, gechattet, online ausgetestet und schlußendlich auf dem Schulklo ausprobiert. Parties geraten zunehmend zur Sauforgie und gekifft wird, daß die Schwarte kracht, aber alles eben im Testbereich - Extremfälle sind hier nicht zu erwarten, so daß der Drogenvortrag der Polizei hier auch ungemein gestrig rüberkommt.
Während Titelfigur Lola also mit ihrem ehemals besten Freund rummacht, während sie das ihrem Ex verschweigen will (die beiden sind beste Freunde), zicken ihre Freundinnen entweder endlos rum oder haben heimlich Sex oder konkurrieren hilflos gegen eine gefühlte "Bitch", die letztendlich gar nicht so schlimm ist. Die Jungs stehen natürlich auf Mucke (noch handgemacht) und die Mädels himmeln sie an...das ist schon fast unmodern, so gar keine Gamer oder andere Spezis zu sehen.
Liza Azuelos konzentriert sich ziemlich präzise auf eine Gruppe von 10 Schülern (mit unterschiedlichem Plot-Anteil) und deckt zwar nicht alles thematisch ab, weiß aber jeder einfühlsam in Szene zu setzen und den Teenage Frust noch dazu. Eltern nerven, mehr muß man nicht wissen.
Dabei haben die damals wie heute die gleichen Probleme, Lolas Mutter ist geschieden, hat noch Sex mit ihrem Ex und fängt doch ein Verhältnis mit einem Polizisten an, leider werden diese Geschichten nicht ganz so rund zuende erzählt, wie der Rest, der einigermaßen einen Abschluß findet, wenn auch im Falle des renitenten Vaters von Lolas Freund einen überharmonischen. Aber La Marceau ist ohnehin noch in ihrer absoluten Erntefrische und wenn sie provokativ ihre Tochter anpflaumt, kann man die alte "Vic" noch durchscheinen sehen (ihre fast dreißig Jahre ältere, aber gleiche Synchronstimme tut ihr übriges).
Besonders Herausragendes sollte man nicht erwarten, es ist ein ruhiger, aber stimmiger Film für seine Zielgruppe und hat so seine vergnüglichen Momente, allenfalls der England-Klassenausflug gerät zu einem furchtbaren Klischee, da haben die Franzosen offenbar noch peinlichere Vorbehalte als die Amis.
Und natürlich wird irgendwo irgendwer auf die tolle Idee kommen, die Partybremsenausschaltung mittels Schlaftabletten mal wirklich an der Oma oder der Lehrerin auszuprobieren - aber generell bleibt man auf der leichten Tour, mit ein wenig Akzeptanz fürs Grenzenaustesten samt Alk und Kiffen, die Eltern sind hier nämlich nicht unbedingt die besten Vorbilder. Ich suche allerdings noch den deutschen Jugendfilm, der so leichtherzig erzählt und in dem alle Charaktere rumquarzen dürfen...
Eine so grandiose Karriere wie die Marceau wird von den jugendlichen Darstellern wohl kaum einer hinlegen, aber dafür wirken sie durchaus überzeugend, wenn auch zu beanstanden ist, daß französische männliche Jugendliche momentan offenbar wieder zu absolut beknackten Frisuren neigen (und zwar alle!!!), die irgendwo zwischen "Twilight"-Edward Cullen und "J-Rock" synthetisiert wurden.
Feine, unbeschwerte Sache auf der Basis von "C'est la vie!". (7/10)