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Ein kleines Budget, eine Minimalbesetzung an Schauspielern und eine kammerspielartige Atmosphäre; dazu recht gelungene Kameraarbeit  und ein Plot, der dem Zuschauer schon nach wenigen Minuten vermittelt, dass die dargebotene Perspektive der Hauptfigur unzuverlässig ist. Damit ist "Chasing: Sleep" eigentlich ganz treffend beschrieben und je weniger der Zuschauer inhaltlich über die Minimalhandlung vorab erfährt, umso vorteilhafter sollte sich dies eigentlich auf die Sichtung auswirken.

Denn furchtbar viel passiert in 100 ziemlich langgezogenen Filmminuten nicht, insbesondere da der Film handwerklich und inhaltlich nicht gerade als innovativ zu bezeichnen ist. Viele Klischees aus ähnlich gelagerten Szenarien, bei denen die Wahrnehmung des Akteurs verzerrt, zeitlich durcheinandergeworfen oder überhaupt bruchstückhaft ist, machen klar, auf was man sich als Zuschauer bei diesem reizarmen Thriller einlässt. Könnte ja trotzdem spannend sein, ist es im hier vorliegenden Fall nur leider nicht. Das gleichmäßige, schleppende Erzähltempo und die nur minimale Entwicklung des Plots erzeugen eine (wohl kaum beabsichtigte) Monotonie, es fehlt gänzlich eine Spannungskurve und überhaupt der eine oder andere Höhepunkt innerhalb der Handlung. "Fehlende Dynamik" nennt man das wohl. Leider sind jedoch selbst die spärlich gesäten Schockmomente alles andere als schockierend. Man nimmt sie halt zur Kenntnis, wie den Rest des Psychopuzzles auch und hofft, dass die Beharrlichkeit aufmerksam bis zum Schluss durchzuhalten durch eine gelungene Auflösung oder zumindest durch einen raffinierten Twist  belohnt wird. Ich fühlte mich am Ende jedoch unverdienterweise nicht belohnt.

Hat man bei David Lynch zumindest das Gefühl, dass der allwissende Auteur in seinen in ihrer Gesamtheit nicht dekodierbaren Werken doch zumindest präzise und eindeutige Aussagen vergraben hat, so wirkt bei "Chasing: Sleep" letztendlich alles beliebig, weil es den Machern a priori egal war, welche Geschichte hier eigentlich erzählt werden soll. Auch wenn man voraussetzt, dass die Perspektive ein Bestandteil der Realität ist und sich die Vergangenheit ergo nicht rekonstruieren lässt, sondern in Abhängigkeit vom Beobachter ständig neu konstruiert wird, bleibt nach 100 eher nervigen und dafür nur selten ästhetisch entschädigenden Filmminuten lediglich die unbefriedigende Erkenntnis, dass "alles sein kann, aber nichts  sein muss". Dafür habe ICH mir im Gegensatz zum Protagonisten des Films nicht die Nacht um die Ohren gehauen.

4 / 10 Schlaftabletten.

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