So, mal wieder ein Klassiker der Filmgeschichte. Eine Westernkomödie, wie sie im Buche steht. Trunkenbolde, divenhafte Schönheiten, viele unterbemittelte oder naive Charaktere und ein charmanter und lustiger Held. Dass das ganze im Städtchen Bottleneck spielt, ist da kein Zufall. Der Name ist Programm.
In dieser Stadt hat ein gewisser Kent das sagen. Durch Pokerspiele, bei denen er groß blufft, finanziert er seinen Lebensunterhalt und nimmt seinen Mitbewohnern sogar gesamtes Hab und Gut weg. Der Sheriff wird gerufen, als Kent mal wieder einen Spielpartner fies über den Tisch zieht. Dieses Problem wird vom Bösewicht dadurch gelöst, dass er den Sheriff kaltblütig erschießt. Seiner Freundschaft zum hiesigen Bürgermeister hat er es nun zu verdanken, dass ein neuer Sheriff bestimmt wird. Nämlich einer, der sicherlich kein Querulant sein dürfte. Der Alkoholiker Dimsdale. Dieser ruft schnell Destry zu Hilfe, denn einst war Dimsdale Hilfssheriff von Destrys Vater. Nun hat Dimsdale selbst das höchste Sheriffamt inne und wählt Destry zu seinem Hilfssheriff aus. Doch dieser zeigt sich als waffenfeindlicher Gesetzeshüter, weswegen er schnell zum Gespött des Städtchen wird.
Für die Leute im Film quasi so etwas wie ein Antiheld, für den Zuschauer jedoch ist Destry, überragend gespielt von James Stewart, ein Vorzeigeheld, der auf Waffen pfeift, aber dafür über ein solch gewitztes und schlagfertiges Mundwerk verfügt, dass er Pistolen, Gewehre,... auch gar nicht braucht. Und wer mal Nachhilfestunden erhalten möchte, wie man gekonnt und effektiv Mädchen oder Frauen anmacht, der sollte ruhig einmal Destry über die Schulter schauen. Klar hat der Zuschauer um seinen Helden zu keiner Sekunde Angst und er weiß, dass er Kent auch ohne Waffen besiegen wird, doch der Film wird eh von seinen tollen Schauspielern und von den für damalige Verhältnisse sicher aufwändigen Saloonszenen getragen. Hier und da eine Schießerei, dort mal wieder ein wunderbarer Dialog voller Lakonie und Ironie. Destry ist ganz auf sich alleine gestellt, er macht sich sogar zum Gespött seines eigenen Sheriffs. Keiner kann sich also mit seinen Methoden anfreunden und so braucht Destry erstmal seine Zeit, bis er bei ein paar Leuten Akzeptanz findet. Dass er sein Handwerk am Schießeisen beherrscht, gibt er ein paar Aufständigen mit einer kurzen, aber prägnanten Lektion zu verstehen.
Gegen Ende ist dann eigentlich Alles positiv verlaufen und Destry kommt auch nicht ganz ohne Revolver aus. Dennoch zeigt "Der große Bluff" schön die Moral auf, dass man auch ohne Gewalt oder Waffen ein friedliches Städtchen haben kann. Solang es denn nur klare Richtlinien und so etwas wie Recht und Ordnung gibt. Dass das Ganze natürlich etwas altmodisch und auch ein bisschen naiv ist, darf nicht vergessen werden, aber der Film wurde auch nicht zum tiefgründigen Denken gedreht, sondern zum unterhalten. Und anscheinend auch dafür, ein ewiger Klassiker zu bleiben.
Auch wenn der Film ein klein wenig Abstriche bekommt, weil das Western-Genre sicher nicht so mein Terrain ist, kann man "Der große Bluff" sicher jedem Filmfan ans Herz legen. Eine herzerwärmende und mit vielen Lachern ausgestattete Westernkomödie, mit tollen Hauptdarstellern, ein paar wirklich netten Bildern und fast schon einem märchenhaften Flair.
8/10 Punkte