Ich muss gleich vorwarnend vorrausschicken: Ich mag die Glücksbärchis nicht... - Warum dem so ist fragt Ihr? Nun, ich kann nunmal nur eine bestimmte, sehr begrenzte Dosis an political correctness und überbetonter Putzigkeit verknusen. Eine SEHR begrenzte! - Und über dieses gebotene Maß schießen die Glücksbärchis unleugbar meilenweit hinaus. Entstanden sind die pelzigen Plagen dereinst aus einer schmalztriefenden Grußkartenreihe für überromantisch Veranlagte, und fand als solche offenbar bei der holden Weiblichkeit reißenden Absatz, wohl etwa vergleichbar mit den Diddel-Mäusen oder ähnlichen Phänomenen heutiger Tage, die mir selbst wohl auf ewig ein Rätsel bleiben werden... Wie auch immer: Der Schnodder ging jedenfalls weg wie warme Semmeln und so erweiterte man das Sortiment rasch auf absurd freundlich grinsende Glücksbärchi-Plüschbären mit Herznasen, die fortan von Freundinnen ihren gequält lächelnden Männern überreicht wurden (weil wegwerfen darf man solchen Schmonz ja nicht, sonst hängt der Haussegen wochenlang schief). Eine neue Äara der Regalstaubfänger war geboren. - Aber damit war es noch lange nicht ausgestanden: Die Rechteinhaber fluteten in den Achtzigern regelrecht sämtliche Geschäfte mit Glücksbärchi-Merchandise jeglicher Machart und Coleur und so konnte sich schließlich auch die Filmindustrie dem Hype nicht mehr verwehren: "Der Glücksbärchifilm" ging in die Mache.
Ein wahres Freudenfest für Kirchenvertreter, Elternorganisationen und überbesorgte Mütter. Denn hiermit gab es nun endlich eine offizielle Verfilmung zu ihren so oft gepredigten heile Welt-Idealen. - Fassen wir das Ganze also mal kompakt zusammen: Die Glücksbärchis sind eine Rotte von fast widerlich glücklichen Fantasiebären, die in ihrem Wolkenwattebauschland eine gänzlich sorgenbefreite Existenz leben. Kein Streit, kein Krieg und kein Zwist trüben den Alltag der chronisch fröhlichen Pelzträger und so verbringen sie ihre Zeit mangels besserer Alternativen damit, ihre Umgebung mit krankhaft süßem Herz-Design-Kitsch auszustatten. Zumindest bis, ja bis der Junge und Möchtegernzauberer Nicholas ein altes Zauberbuch findet, dem ein bösartiger Geist innewohnt, der den Teenie zu zahlreichen Schandtaten anzustachelnd versucht. Ja, gut. Es sind die Achtziger, zeitgleich tobt der kalte Krieg, Hussein mordet im Irak und Osama bekommt Kalaschnikovs von Bush Senior gliefert. "Alles nicht so schlimm"... Wenn aber ein kleiner Junge ein soooo böses Zauberbuch findet, dann schrillen bei den abgehobenen Glücksbärchis alle Alarmglocken. Und nachdem sie die bedenklichen Entwicklungen mittels ihres Herz-Teleskops mitverfolgt haben, begeben sie sich natürlich stehenden Fußes auf unsere Erde, um den abgefallenen Nicholas wieder auf den rechten weg zu führen und das garstige Zauberbuch Mores zu lehren.
Wie sie das allerdings machen, kann man eventuell ob der restlichen JKonstruktion des Stoffes mitunter schon erahnen: Sie überschütten den Feind mit einer Überdosis Regenbogenfarben und Liebe... Und genau das tun sie auch mit dem Zuschauer. Ja, die Zeichnungen sind nicht schlecht gemacht und: Ja! Auch an den Animationen kann man für die damalige Zeit nicht mäkeln. Aber dieser fürchterliche, unerträgliche Glücks- & Freundlichkeits-Overkill ist mir bekennendermaßen eine Nummer zu viel. Ob man das abkann, dass liegt in eigenem Gusto. Die Kleinsten (die ja für diesen Streifen auch Zielgruppe sind) werden an diesem zu einhundert Prozent politisch und pädagogisch korrekten Werk, zur Freude ihrer sonst in punkto Filmen doch immer so gerne überbesorgten Eltern, aber sicherlich ihren unbedarften Spaß haben. - Ein denkender, erwachsender Geist geht bei Ansehen dieses Films allerdings das bewußte Risiko von bleibenden Schäden a.k.a. "Wahnsinn durch Überzuckerung" ein. Welcher Mutige sich dieser ultimativen Herausforderung also nun doch partou unbedingt stellen möchte, der klemme sich einen Holzkeil zwischen die Beißer und wappne sich zu einer Session mit dem "Glücksbärchifilm" und erkenne in wie grauenhafte, ja irrwitzige Dimensionen man die Darstellung von Glücklichkeit und Herzenswärme offenkundig treiben kann.