Review

Zu Missverständnissen dürfte der Titel zweifelsohne sehr bewusst führen, denn auf den ersten Blick scheint es um das Abschlachten von Walen zu gehen und auf den zweiten schließlich um das Töten jener, die sie beobachten möchten.
Da haben sich die Isländer um Regisseur Julius Kemp mal einen umweltkritischen als auch wirtschaftlichen Streitpunkt an Deck gezogen, damit ehemalige Walfänger auf hoher See zu Menschen am Haken umsteigen…

Jene Wal-Beobachter setzen sich aus einer illustren Gruppe internationaler Klischees zusammen: Der abgeklärte Dunkelhäutige, der blonde naive Opfertyp (vor allem in sexueller Hinsicht), ein japanischer Pascha mit Anhang, ein stets betrunkener Franzose, ein kühles deutsches Damentrio und eine mutige Blonde, die eventuell ein wenig länger überleben könnte.
Entsprechend filmt der Japaner, der Franzose pöbelt, die Deutschen lästern und die einzig vernünftigen finden im sachlichen Gespräch zueinander.
Bei den Rednecks an Bord des schäbigen Zossen schippern hingegen nur eine alte Fregatte und ihre zwei ungleichen Söhne (der Bärtige ist einstiger Kapitän, der andere ein debiler Sabberkopf mit niederen Gelüsten).
Rund zwanzig Minuten benötigt es, bis die Touristen an Bord des Redneck-Kutters stranden, zunächst in der Hoffnung an Land gebracht zu werden, nachdem sich die Wale rein gar nicht blicken ließen.

Nach dem ersten Wuhling, bei dem gleich mehrere Passagiere ins Gras beißen, herrscht an Deck wieder standesgemäße Ordnung, so dass der geneigte Zuschauer auch kaum mehr überrascht werden dürfte: Verstecksuche auf begrenztem Raum hat bei jedem oberste Priorität und wer zur falschen Zeit einen Blick durchs Bulleye wagt, oder das schützende Schott verlässt, kann nur auf einen dummen Zufall hoffen, der tatsächlich ab und an eintrifft.
Anderweitig erstaunt es, wie sehr sich die potentiellen Fische an der Angel gegenseitig in die Scheiße reiten, indem sie häufig unüberlegt und egoistisch handeln.
Spätestens beim Streit um eine Leuchtrakete in der wackeligen Rettungsinsel fasst man sich so richtig an den Dez.

Splattertechnisch kommt eine Durchschnittshärte ins Spiel, ohne sonderlich originelle Ableben oder gar hinausgezögertes Sterben. Hier mal der Treffer einer Harpune, dort eine Leuchtrakete im Auge, schwere Verbrennungen, ein Kehlenschnitt und ein paar abgetrennte oder zerschossene Köpfe bieten Genrefans solide Kost auf sauber inszeniertem Niveau.
Gleiches gilt für den Rest des Handwerks, bei dem Kamera, Ausstattung, Schnitt und musikalische Untermalung ebenso unauffällig bleiben, wie die Leistungen der unbekannten Darsteller, die sich insgesamt auf akzeptabler Ebene bewegen.
Einzig den kontrastreichen Song bei den End-Credits sollte man einmal auf sich wirken lassen.

Wir haben es also mit einer TCM-Variante auf hoher See zu tun: Touristen bekommen statt Walgesängen die Todesschreie ihrer Mitreisenden zu hören und beim Kampf ums Überleben schimmert zumindest immer wieder schwarzer Humor durch, der zum Finale zynischere Töne anschlägt und gegen Ende gar einen netten Abschlussgag beinhaltet.
Mal ein recht abwechslungsreiches Interieur, auch wenn die Kulisse des alten Kahn auf Dauer nicht viel hergibt und alle Möglichkeiten vom Verstecken bis zur Gegenwehr zügig durchexorziert werden, - das ordentliche Tempo und die schnörkellos vorangetriebene Hatz mit kleinen makaberen Spitzen bieten genügend Futter für eine Sichtung.
Und in welche Richtung man auch immer die unterschwellige Kritik am Walfang deuten mag:
Am Ende bekommt doch jeder sein Fett weg…
6 von 10

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