Wenn mal wieder alles auf den entscheidenden Twist hinausläuft, wäre es für ein Psycho-Drama natürlich nicht verkehrt, das Drumherum mit spannenden Momenten auszustatten.
Allerdings versäumt es Katherine Brooks, Klischees auszulassen und interessante Figuren zu präsentieren.
Madison (Sarah Roemer) unternimmt einen Suizidversuch und landet in der Betreuung von Dr. Barnes (Elisabeth Shue). Innerhalb einer WG unter Gleichgesinnten fühlt sie sich nicht wohl und beschließt, sich 30 Tage zu isolieren, um wieder zu sich selbst zu finden. Sollte Madisons Versuch fehlschlagen, will sie ihr Leben endgültig beenden…
An der größtenteils treffenden Besetzung liegt es nicht, dass die Handlung nur allzu selten spannend erscheint. Sarah Roemer mimt die fragile junge Frau mit Identitätsstörung sehr intensiv und dennoch zurückhaltend, was ihrer Figur unweigerlich Sympathiepunkte beschert. Großartig sind auch Taryn Manning als aggressive Patientin und Frances Conroy als Madisons religiös fanatische Mutter. Elisabeth Shue ist als Psychologin eher fehlbesetzt, denn als solche wirkt sie in vielen Momenten zu unsicher und offenbart zu wenig Selbstbewusstsein.
Handlungstechnisch geht Brooks nicht chronologisch vor. Oftmals werden Rückblenden aus der Kindheit vermengt mit realen Ereignissen, welche wiederum in Traumwelten und Tagträume abdriften. Besonders zu Beginn sind ein paar gelungene, surreal anmutende Momente auszumachen, etwa, als Madison in die Rettungsaufnahme gelangt und die Gänge mit regelrechten Armleuchtern (Arme halten jeweils eine Glühbirne) ausgestattet sind. Solch gelungene Kompositionen finden sich im Verlauf nur selten, stattdessen liegt der Schwerpunkt auf einer WG von Irren.
Gut, dass Mannings Charakter die Anwesenden noch ein wenig aufmischt, da sich hier ansonsten ein Klischee zum nächsten gesellt, vom typischen Missbrauchsopfer bis zur Nymphomanin. Bei Madison ist indes erahnbar, unter welchem Geheimnis die Dame leidet, zumal einige Hinweise sehr deutlich offenbaren, was mit ihr nicht stimmt.
Dennoch überrascht die Komplexität des Gefüges im letzten Drittel, was eine Schlüsselszene in ihrem Elternhaus unterstreicht.
So wertet der finale Twist das Gesamtbild zwar deutlich auf, doch der Rest bleibt ein wenig zäh und uninspiriert aufgezogen. Darstellerisch werden überdurchschnittliche Leistungen abgeliefert, handwerklich ist nichts weiter anzukreiden, doch inhaltlich dümpelt der Stoff lange Zeit etwas zu sehr vor sich hin, um wirklich zu packen.
5 von 10