Wenn schon Propagandafilm, dann wenigstens auch optisch und dramaturgisch von Wert. Dieses Werk bringt alle notwendigen Qualitäten mit, aktuell in remasterter HD-Fassung. Bei Muse kann gern mal mit der Original-Qualität verglichen werden, zum Beispiel bei YouTube, Wahnsinn. Das Zeitalter der Digitalisierung hat auch wenige Mehrwerte. Der Film wurde jetzt also wieder aufgelegt, eine thematische und mediale Aktualisierung mit Grund. Patriotismus und der Widerstand gegen einen Aggressor. Die historische Figur wird in Russland schon immer stark verehrt, ein Personenkult, welcher durch Putin derzeit aufgrund der geopolitischen Lage intensiv befeuert wird. Ganz anders der Blick in der faschistischen Ukraine, dort ist Alexander Newski mittlerweile eher gecancelt. Im Entstehungsjahr der Verfilmung war der Hintergrund, dass die Russen wussten, was sich da in der Mitte von Europa zusammenbraut, und noch mehr, dass sich nur auf eigene Stärken verlassen werden konnte. Weder die antiquarischen französischen Streitkräfte noch das englische Kanonenfutter noch das amerikanische, mit Überheblichkeit überspielte, Verlierer-Gemüt konnten als verlässlich Partner gegen ein drohendes Unheil betrachtet werden. Eine Symbolfigur sollte an die eigenen Stärken erinnern, absoluter Wille, unbändiger Mut, nicht zu brechender Durchhaltewillen und ein allgegenwärtiger Glauben. Newski hatte das mittelalterliche Russland zu legendären Siegen gegen die Schweden und die Deutschritter geführt, wenn auch etwas inhaltlich ausgeschmückt. Siehe auch hier, von nichts kommt nichts. In vorliegendem Spielfilm geht es um die "Schlacht auf dem Eis" 1242 gegen die Deutschen, was sonst. Zwei Meister ihres Faches, Regisseur Sergej Eisenstein und Komponist Sergej Prokofjew liefern ein episches bewegtes Gemälde voller inszenatorischer Dramatik und Größe. Genau hingeschaut und richtig erkannt, wo das Auge wunderschöne Riefenstahl'sche NS-Ästhetik. So entstehen via Film-Kunst gottgleiche Abbilder. Die Angst vor dem erwartbaren Staub kann auch genommen werden, alles wirkt relativ zeitlos. Weder sollte sich jemand langweilen noch sich von den Sehgewohnheiten her in eine andere Dimension versetzt fühlen. Der Höhepunkt sind die unglaublichen Massenschlachtszenen im letzten Drittel, hier hat Peter Jackson sicher genau hingeschaut. Ein Film wie ein Schwert. Beim Nichtangriffspakt 1939 wieder in die Scheide gesteckt, 1941 wieder herausgeholt. "Wer mit dem Schwert zu uns kommt, wird durch das Schwert fallen!" Definitiv eine Wiederentdeckung wert!