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Zwei Expeditionsmitglieder entdecken ein weisses Mädchen inmitten eines Eingeborenenstammes, was sie, zurück in Amerika, der todkranken Mutter mitteilen. Von der erhalten sie die großzügigen finanziellen Mittel, um die Tochter zurückzuholen, deren neunmalkluger Cousin und seine Geliebte sind auch mit von der Partie. Nachdem die Deppen von Expedition nach Afrika zurückgekehrt sind, treffen sie auch prompt den Stamm der Muris wieder, deren weisse Göttinn eben Liana ist. Bereits da wird angesichts Katja "Liana" Bienert, wie sie sich mit Tarzanschrei durch die Lianen hangelt, offensichtlich, dass es sich um einen schundigen Jess Franco Film und nicht um einen wirklichen Kannibalenexploiter handelt. Hochgradig lächerlich werden die Charaktere nach und nach allesamt als korrupte, geldgierige Intriganten dargestellt, von denen letztendlich keiner ein Interesse an Lianas Rückkehr hat. Die Querelen unter den Führern sollen wohl für Dramatik sorgen, während sich Lianas Vater als großer, weisser Häuptling feiern lässt. Ähnlich wie in "Das Geheimnis Der Blauen Diamanten" geht es eigentlich um "den größten Schatz der Menschheit", zu sehen gibt es später tatsächlich eine Hand voll Halbedelsteine, wie erbärmlich. Das ist auch mal wieder die Ausstattung, bei der die Hütte des Häuptlings flugs mit ein paar Tüchern samt Leopardenaufdruck und dem bekannten Plastikschädel aus "Mondo Cannibale 3" verziert wurde und fertig ist die perfekte Täuschung für den komatösen Zuschauer. Immerhin gibt es keine geschminkten Bleichgesichter wie in dem Vorgänger als Eingeborene, allerdings auch keine Kannibalen. Überzeugend ist das dadurch noch lange nicht, denn die Darsteller rangieren auf mittlerem Franconiveau, also schlicht bis dilletantisch. Die Sleazefraktion wird sich eventuell über die stets leichtbekleidete Katja Bienert freuen, wer auf Kannibalenaction wartet, wird enttäuscht werden, die gibt es nämlich nicht. Dementsprechend sind die Goreszenen zu zwei kümmerlichen Einstellungen verkommen, die definitiv nicht sehenswert sind, während im Vorgänger Francos wenigstens noch experimentelle Freßszenen in Zeitlupe zu sehen waren. Dabei hätten die Eindringlinge mit ihren Intrigen alle zweifellos einen blutigen Tod verdient, doch stattdessen hält sich das abenteuerlustige Drehbuch mit ständigem Geplänkel zwischen den Pappnasen auf. Frei wie in 70er Jahre Komödien werden dem Zuschauer, passend zum Gesamteindruck, platte bis dämliche Dialoge um die Ohren gehauen, die in der deutschen Pornosynchro schön zur Geltung kommen. Die wichtigste Anweisung vor der gefährlichen Butterfahrt ist "Keinen Sex, denn das kann den Tod bedeuten" (pardon Jess, aber das war in Teenieslashern die Regel), dann lernen wir noch "Die beste Medizin gegen Schlangenbisse ist Alkohol" (dann ist ja nicht so schlimm) bis die Völkerverständigung bei einfühlenden Ansprachen mit "Liebe Neger" von Lübke nicht besser hätte formuliert werden können. Aber die furchtbar wilden Wilden sitzen ja auch trommelnd im Kreis, während die geheime Chefin des Haufens immerzu "Hossa Hossa" krakelt. Statt schockierender Szenen, auf die der geneigte Genrefan denn nun wartet, entwickelt sich das Finälchen zu einer einzigen Witznummer, nachdem auch schon die ganze Vorgeschichte hochgradig lächerlich und typischerweise genau so öde inszeniert wurde, wie schätzungsweise 100 von Francos unzähligen anderen Filmen. Selbst die urkomischen Einlagen reissen da nichts heraus, denn es ist nur schwerlich möglich, über anderthalb Stunden gespannt der Dinge zu lauschen, die da nicht passieren.

Fazit: Dem Kannibalenfan ist so etwas ein Graus: Franco hat sich mal wieder selbst unterboten. 2/10 Punkten

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